Priester will, dass Staatsanwaltschaft weiter gegen ihn ermittelt

Nach „Containern“ kein Verfahren gegen Jesuiten Alt – der wundert sich

  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt nicht mehr gegen den Jesuitenpater Jörg Alt wegen des Diebstahls weggeworfener Lebensmittel.
  • Alt wundert sich - er habe seine Tat doch gestanden und dokumentiert.
  • Er vermutet, die Staatsanwaltschaft wolle einen Prozess verhindern, in dem das Wegwerfen von Lebensmitteln thematisiert werde.

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Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth ermittelt nicht mehr gegen den Jesuitenpater Jörg Alt wegen des Diebstahls weggeworfener Lebensmittel. Es sei nicht geklärt worden, "welche Waren im Einzelnen aus welchen Lebensmittelmärkten der Beschuldigte entwendet hatte". Daher sei das wegen "besonders schwerem Diebstahls" eingeleitete Verfahren "mangels Tatnachweis" eingestellt worden.

Alt reagierte überrascht. Er teilte mit, dass "die Entnahme der Lebensmittel aus den Containern durch Lichtbilder dokumentiert, der Tatort und die Tatzeit bekannt sind und ich ein Geständnis abgegeben habe". Es scheine, dass er als Priester und Jesuit privilegiert behandelt werde. Bei anderen Menschen wäre die Tat angesichts geltender Rechtslage unverzüglich und mit der ganzen Härte des Gesetzes zur Anklage gebracht worden, so Alt.

Warum Pater Alt sich angezeigt hat

Ende Dezember hatte der Nürnberger Pater sich selbst angezeigt, nachdem er weggeworfene Lebensmittel aus Supermarkt-Containern gestohlen und in der Nürnberger Innenstadt an Bedürftige verteilt hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin ein Verfahren eingeleitet.

Mit der Tat wollte der Priester seine Forderung an die Bundesregierung unterstreichen, ein "Lebensmittelrettungsgesetz" auf den Weg zu bringen. Mit der Einstellung des Verfahrens wolle die Staatsanwaltschaft einen Prozess vermeiden, der sich mit einem gesellschaftlich bedeutenden Thema befasse, vermutet der Jesuit.

Jesuit will weitere Details nennen und hofft auf Verfahren

Angesichts der Preisanstiege, die der Ukraine-Krieg ebenso mit sich bringe wie die Wetterkapriolen des Klimawandels sei dies nicht hinnehmbar: "Versorgungsengpässe werden zunehmen, damit Teuerung und damit die Notwendigkeit von Menschen, sich mit Essen aus der Mülltonne versorgen zu müssen."

Der Pater, der sich mit seinem Rechtsanwalt beraten hat, will "im Rahmen rechtlichen Gehörs weitere Details und Konkretisierungen meines Diebstahls zu den Akten geben". Er gehe davon aus, dass die Staatsanwaltschaft dann die Ermittlungen gegen ihn wieder aufnehme. Solange "Containern" noch nicht durch ein Lebensmittelrettungsgesetz entkriminalisiert sei, gebe es für eine Einstellung des Verfahrens gegen ihn keinen Raum.