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Bätzing wirbt um Fortsetzung, Delegierte kritisieren Bischofskonferenz scharf

Nach Eklat diskutiert Synodalversammlung, ob und wie es weitergehen soll

  • Trotz des Eklats vom Vorabend setzt die Synodalversammlung in Frankfurt ihre Beratungen fort.
  • Bischof Georg Bätzing sprach von einer "nachhaltigen Krise", kündigte aber an, das abgelehnte Papier bei der Weltsynode und in seinem Bistum einzubringen.
  • Delegierte kritisierten das Verhalten der Bischofskonferenz scharf.
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Trotz des Eklats vom Vorabend setzt die Synodalversammlung in Frankfurt ihre Beratungen fort. Nachdem der Grundtext zur Sexualmoral die notwendige Zweidrittel-Mehrheit der Bischofskonferenz nicht erreicht hatte, gilt der Text trotz 81-prozentiger Mehrheit aller Delegierten als nicht angenommen.

Die Entscheidung hatte für Entsetzen und Proteste gesorgt, die Versammlung wurde unterbrochen. Bischofskonferenz und Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) haben bis in den späten Abend getrennt beraten. Über die Inhalte der Gespräche wurde nichts bekannt.

Bätzing: Nachhaltige Krise

Heute Morgen warb das Präsidium des Synodalen Wegs darum, die Beratungen weiterzuführen und die Tagesordnung wieder aufzunehmen. Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, sprach von einer "nachhaltigen Krise". Das Abstimmungsergebnis sei eine "erhebliche Anfrage an uns Bischöfe, wie wir in Zukunft das Volk Gottes leiten". Bätzing betonte: "Wenn das Votum zu einem so grundlegenden Thema aller Menschen heute – auch in der Kirche – zur Geschlechtlichkeit, Identität, Anthropologie ein so überragendes Votum der Gesamtversammlung findet und nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit der Bischöfe, dann fällt etwas auseinander, was nicht auseinanderfallen darf." Es sei die "Verantwortung der Bischöfe, dass das nicht auseinanderfällt".

Bätzing kündigte an, den abgelehnten Text gleichwohl in den Ad-Limina-Besuch der deutschen Bischöfe im Herbst bei Papst Franziskus sowie in die Weltsynode einbringen zu wollen und erneut bei der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz Ende September zu thematisieren. Er selber wolle ihn als Bischof von Limburg "meinen synodalen Gremien vorlegen zur Beratung und Entscheidung, um ihn im Bistum Limburg Wirklichkeit werden zu lassen".

Stetter-Karp warnt vor "Beteiligungssimulation"

Irme Stetter-Karp, mit Bätzing Präsidentin der Synodalversammlung, erinnerte die Bischöfe daran, dass das ZdK auf Bitten der Bischöfe "in ihrer Not" eine Beteiligung am Synodalen Weg zugesagt habe. Es sei "nicht selbstverständlich, dass wir als ZdK dabei bleiben". "Wir gehen diesen Prozess stellvertretend für alle Gläubigen, die an die Kraft einer sich erneuernden Kirche glauben", betonte Stetter-Karp. Sie dankte jenen Delegierten, die nach der Ablehnung des Textes am Vorabend verletzt und bestürzt die Versammlung verlassen haben "und die nun wieder unter uns sind".

Wenngleich sie sich für eine Fortsetzung des Synodalen Wegs aussprach, machte die Präsidentin doch unmissverständlich klar, dass eine weitere "Kommunikationsverweigerung" mancher Bischöfe inakzeptabel sei: "Wenn wir den Eindruck einer Beteiligungssimulation gewinnen, wenn Transparenz nicht möglich ist, werden wir eine neue Standortbestimmung vornehmen." Solche Entscheidungen müssten in den entsprechenden Gremien, "aber nicht hier und nicht nach einem Abend" getroffen werden.

Stuttgarter Dekan: Feigheit und Faulheit

Eine Aussprache über die Statements von Bätzing und Stetter-Karp war nach einer Entscheidung des erweiterten Präsidiums zunächst nicht vorgesehen. Auf Antrag wurde sie jedoch ermöglicht. Dabei forderten mehrere Delegierte, das Abstimmungsverhalten der Bischöfe vom gestrigen Abend namentlich darzustellen. Manche forderten, nicht zur Tagesordnung überzugehen, sondern das Verhalten der Bischöfe weiter zu diskutieren.

"Es geht um Feigheit und Faulheit", erklärte etwa der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes. Er schäme sich für "diese Bischofskonferenz": "Ich möchte bitten, diese Vertrauenskrise sehr ernst zu nehmen." Theologie-Professorin Julia Knop sprach von einem "Verrat an der Verantwortlichkeit der Bischöfe".

Der Passauer Bischof Stefan Oster äußerte die Hoffnung auf Fortsetzung des Synodalen Wegs, beklagte aber, dass Bätzing den abgelehnten Grundtext womöglich "im Alleingang" für sein Bistum in Kraft setzen wolle. Er frage sich, ob "das nicht von vornherein so geplant" war.

Zwei Eucharistiefeiern?

Unterdessen wurde bekannt, dass erneut einige Delegierte, darunter Bischöfe, am Morgen unter sich Eucharistie gefeiert haben. Für den Mittag steht eine heilige Messe allerdings auch auf dem Programm der Synodalversammlung. Während einige Delegierte in Frage stellten, ob in der derzeitigen Situation überhaupt die gemeinsame Feier der Eucharistie möglich sei, beklagten andere diese "Exkommunikation aus unserer Gemeinschaft", wie es etwa die Benediktinerin Philippa Rath formulierte.

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke wies das als "ungeheurlich" zurück. Er habe diese morgendlichen Messfeier mitzelebriert, "und dabei haben wir natürlich auch für den Synodalen Weg gebetet". Er werde gleichwohl auch bei der mittäglichen Eucharistiefeier der Versammlung dabei sein.

Bätzing warnt vor "Riesen-Problem"

Auch Bätzing wies die Formulierung zurück und bat um Respekt davor, dass Bischöfe "auch priesterlich, also zelebrierend, täglich die Eucharistie feiern", und warnte davor, dies zu diskreditieren. Gleichwohl sei es wichtig, dass jene Bischöfe, die am Morgen bereits die Messe gefeiert haben, auch bei der mittäglichen der Synodalversammlung dabei sind. "Wenn wir das nicht hinbekommen, habe auch ich ein Riesen-Problem mit dieser Synodalversammlung."

Nach mehreren Anträgen zur Geschäftsordnung, nicht zuletzt darüber, wie nun weiter verfahren werden soll, zog sich das Präsidium zu Beratungen zurück. Derweil wurde der nächste Tagesordnungspunkt aufgerufen: der Bericht des Missbrauchs-Beauftragten der Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, und des Sprechers des Betroffenen-Beirats, Johannes Norpoth.

UPDATE: Mit 71 Prozent wird der Antrag von Theologie-Professorin Julia Knop abgelehnt, nicht zur Tagesordnung überzugehen. Das Programm wird fortgesetzt. (11:24 / mn)

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