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Verbleib im Amt wird kritisch gesehen – Experte Rörig lobt Schuldeingeständnis

Nach Marx-Erklärung zu Missbrauch viel Kritik und wenig Lob

  • Kritik prägt die Reaktionen auf das Statement von Kardinal Reinhard Marx zum Münchner Missbrauchsgutachten, Lob ist selten.
  • Ein Betroffenenvertreter bekundet Unverständnis über die Position des Kardinals.
  • Der Missbrauchsbeaufragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, äußerte sich positiv.
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Kritik prägt die Reaktionen auf das Statement von Kardinal Reinhard Marx zum Münchner Missbrauchsgutachten, Lob ist selten.

Matthias Katsch von der Betroffeneninitiative „Eckiger Tisch“ kritisierte im Bayerischen Rundfunk (BR) den Kardinal: „Vor einer Woche ist das Schiff auf Grund gelaufen, und heute erklärt der Kapitän, dass er unbedingt an Deck bleiben muss und das Steuer nicht aus der Hand geben kann.“ Marx sei offenbar der Meinung, dass es ohne die Bischöfe nicht gehe. Es sei die Frage, ob „das die Katholiken auch so sehen“.

Zollner: Weitere Konsequenzen für Kirchenrichter Wolf

Der Kinderschutz-Experte Hans Zollner sagte, er erwarte noch ausführliche Erläuterungen des emeritierten Papstes. Bisherige Erklärungen Benedikts XVI. machten die Lage noch schlimmer, sagte der Priester und Leiter des internationalen Safeguarding-Intituts in Rom. Das Gutachten wirft auch dem früheren Papst, von 1977 bis 1982 Münchner Erzbischof, Fehler im Umgang mit Missbrauchstätern vor.

Zollner begrüßte die Ankündigung von Marx, in einem Jahr einen Bericht zur Aufarbeitung vorzulegen. Zum obersten Münchner Kirchenrichter Lorenz Wolf sagte Zollner, er könne sich nicht vorstellen, dass keine personellen Konsequenzen für ihn folgten. Wolf lässt vorläufig alle seine Ämter und Aufgaben ruhen.

Rörig: Erwarte Schuldeingeständnis auch von anderen Bischöfen

Thomas Schüller, Kirchenrechts-Professor an der Universität Münster, sagte im BR, er habe nicht den Eindruck, Marx habe „den Ernst der Lage“ erkannt. Er forderte einen „Mentalitätswandel“: In der Kirche müsse ab sofort radikal aus der Betroffenenperspektive geschaut werden.

Positiv äußerte sich der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig. Ein Schuldeingeständnis wie von Marx, eine solche persönliche Verantwortungsübernahme wünsche er sich auch von anderen Bischöfen, sagte Rörig der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, bewertet die Reaktion von Kardinal Marx als "überraschend unkonkret". "Es gab kein Beispiel dafür, wie nun genau die Unterstützung von Pfarrgemeinden aussieht, in denen Missbrauchstäter ihr Unwesen trieben", erklärte Stetter-Karp. Es fehlten insgesamt konkrete Beispiele für Veränderungen hier und heute. Und: "Dass der Kardinal nach eigenen Worten in einem Jahr vor die Öffentlichkeit treten möchte, um zu erklären, was sich verändert hat, finde ich spät", so Stetter-Karp. Enttäuscht sei sie auch darüber, dass der Kardinal kein klares Wort zur "Causa Benedikt" finde. Marx stelle sich noch immer vor den emeritierten Papst, obwohl dieser die Unwahrheit gesagt habe. | KNA

Update 18.50 Uhr: Kasten ZdK

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