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Höchster Kirchenrichter im Bistum soll sich grenzverletzend verhalten haben

Nach Vorwürfen: Münsters Offizial und Dompropst Kurt Schulte beurlaubt

  • Bischof Felix Genn hat Kurt Schulte, Dompropst in Münster und Leiter des Kirchengerichts des Bistums, mit sofortiger Wirkung und bis auf Weiteres von beiden Ämtern beurlaubt.
  • Es gibt Vorwürfe, der oberste Kirchenrichter des Bistums habe sich grenzverletzend verhalten.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt, danach soll sich ein kirchliches Verfahren anschließen.
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Bischof Felix Genn hat Kurt Schulte (57), Dompropst in Münster und Leiter des Offizialats, also des Kirchengerichts des Bistums, mit sofortiger Wirkung und bis auf Weiteres von beiden Ämtern beurlaubt. Genn folge einem Wunsch, den Schulte zuvor geäußert habe, teilt die Bischöfliche Pressestelle mit.

Grund der Beurlaubung sei die Tatsache, dass es in dieser Woche eine Meldung bei einer Ansprechperson für Fälle sexuellen Missbrauchs im Bistum Münster gegeben habe. Die meldende Person habe einen Vorfall angezeigt, der die Person selbst und Schulte betreffe, hieß es.

Die Vorwürfe und weitere Ermittlungen

Nach bisherigem Kenntnisstand des Bistums geht es beim angezeigten Vorwurf um grenzüberschreitendes, unangemessenes Verhalten Schultes. Zudem ist laut Pressestelle über das vom Bistum neu eingerichtete anonyme Internet-Meldeportal eine weitere Anzeige gegen Schulte eingegangen. Diese habe der Interventionsbeauftragte des Bistums, Peter Frings, der Staatsanwaltschaft Münster zugeleitet. Das geschehe mit allen Meldungen, die über das Portal erfolgen.

Das Bistum werde nun zunächst die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarten. Daran soll sich unmittelbar eine kirchenrechtliche Voruntersuchung anschließen. Bis zu deren Abschluss bleibe Kurt Schulte beurlaubt.

Schulte verzichtet auf öffentliche Tätigkeiten

Weitere Sanktionen habe Bischof Genn nicht ausgesprochen. Schulte werde aber von sich aus darauf verzichten, öffentliche Gottesdienste zu feiern, an Rechtsprechungen teilzunehmen oder anderen priesterlichen Tätigkeiten in der Öffentlichkeit nachzugehen.

Kurt Schulte war als Offizial seit 2010 höchster Kirchenrichter im Bistum Münster. Schwerpunkt der Arbeit im Offizialat sind Verfahren zu Gültigkeit katholischer Ehen. Das Gericht wird nun kommissarisch von Vizeoffizial Pfarrer Heinz Erdbürger geleitet.

Seit 2013 war Schulte zudem Dompropst, also Vorsteher des Domkapitels am Dom in Münster. Dieses Gremium leitet vorläufig Domdechant Weihbischof Christoph Hegge.

Langjähriger Pfarrer und Kirchenrichter

Kurt Schulte wurde 1965 in Cloppenburg geboren, ist in Bösel aufgewachsen und 1991 in Münster zum Priester geweiht. Nach Kaplansjahren in St. Gertrud Lohne wurde er 1993 Privatsekretär von Bischof Reinhard Lettmann und Domvikar in Münster.

1996 wechselte Schulte als Pfarrer nach St. Catharina Dinklage, seit jenem Jahr ist er zugleich Richter am Offizialat in Münster. 2007 wurde Schulte Propst und Pfarrer in St. Mariä Himmelfahrt Vechta, ehe Bischof Felix Genn ihn zurück nach Münster berief.

Seit 2010 leitete Schulte das Diözesangericht in Münster, im selben Jahr wurde er Residierender Domkapitular. Bereits 2001, also noch während seiner Pfarrer-Zeit im Oldenburger Land, war Schulte Vizeoffizial geworden, also stellvertretender Leiter des Bistumsgerichts.

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