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Interview mit Christel Plenter vom Institut für Diakonat und Pastorale Dienste

Nachwuchssorgen bei Pastoralreferenten – sind die Gründe hausgemacht?

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Die Zahlen der Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten, die für die Seelsorge im Bistum Münster beauftragt werden, sind in diesem Jahr sprunghaft zurückgegangen. Die Gründe erklärt die Leiterin des Instituts für Diakonat und Pastorale Dienste (IDP) in Münster, Christel Plenter. Die Krise und der Bedeutungsverlust der Kirche spielen eine Rolle, sagt sie. Sie ist aber trotzdem guter Hoffnung.

Nach 24 Beauftragungen im Jahr 2021, nur noch sieben im Jahr 2022 – wie kommt das?

Schwankungen gab es immer. Da ließen zum Beispiel veränderte Zugangsmöglichkeiten durch den Wegfall der Altersbeschränkung oder durch Wegfall der Limitierung von Diplomtheologen die Zahlen auch mal in die Höhe schnellen. Es gibt aber sicher Trends, die für den aktuellen Rückgang der Bewerberzahlen verantwortlich sind. Das ist zum Teil ganz banal: Es gibt bei den Seelsorgern einen ähnlichen Fachkräftemangel, wie in allen anderen Arbeitsbereichen. Wir haben weniger Schulabgänger und das Angebot an Ausbildungswegen ist enorm gewachsen.

Spielt der Bedeutungsverlust der Kirche in der Gesellschaft eine Rolle?

Auch das wirkt sich natürlich aus. Die Prägung durch einen klassischen Durchlauf im Lebensumfeld ist weggebrochen: Durch die schulische Umgebung, durch meine Pfarrgemeinde, durch Gruppen und Menschen, die mich für einen Weg in die Seelsorge begeistern können. Auch Kontakt zu Vorbildern, die mich vielleicht noch fragen, ob ein Weg in die Pastoral etwas für mich sein könnte, werden weniger. Vielseitige Feedbacks, ob Kirche wirklich nur uncool ist oder ob sie mir auch etwas geben kann, fallen weg. Die Gefahr ist, dass Kirche als starrer Klotz wahrgenommen wird, der nur noch mit Skandalen in der Zeitung vorkommt. Glaube kommt aber auf zwei Beinen zur mir, mit Menschen und Vorbildern, die mich begeistern. Dann ist der Weg in die Arbeit als Seelsorger kein abwegiger Gedanke.

Ist die Arbeit für die Kirche generell nicht mehr attraktiv?

Die Attraktivität ist in der öffentlichen Wahrnehmung sicher gesunken. Auch, weil es keine Sicherheit mehr gibt wie in der Vergangenheit. Wer heute einen kirchlichen Beruf wählt, kann sich nicht darauf verlassen, diesen in der Form bis zu seinem Ruhestand auszuüben. Ich halte den Beruf der Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten in den zukünftigen pastoralen Räumen aber weiterhin für hochattraktiv, weil er absolut vielseitig ist: Persönlichkeitsweiterentwicklung, der eigene Glaubensweg, gelebte Spiritualität und die vielfältigen Rollen nah am Menschen und in der Gemeinschaft – das ist und bleibt reizvoll. Wir qualifizieren dabei für den Einsatz in vielen Bereichen, etwa im Schulunterricht oder Gruppenleitung und in weiteren Ausbildung zur geistlichen Begleitung. Das Spektrum ist groß. Genauso wie die Zugangswege in den Beruf, den wir mittlerweile stark an die Situation der Bewerber anpassen.

Warum spiegelt sich die Kirchenkrise trotzdem auch in den Bewerberzahlen für diesen Beruf wider?

Weil die derzeitige Ausstrahlung problematisch ist. Es ist gefährlich, auf die Austrittszahlen zu schauen und sich einzuigeln. Dann fühlen wir uns nur noch ohnmächtig und fallen in eine Schockstarre. Das wirkt nach außen natürlich katastrophal. Wir müssen vielmehr auch die Chancen sehen, die in dieser Krise stecken: Noch nie waren die Gestaltungsmöglichkeiten und der Gestaltungsauftrag so groß wie jetzt, weil wir uns den Fragen und Risiken stellen. Es wird in vielen Bereichen so viel gerungen, neu gedacht und neu gestaltet wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Das müssen wir mehr nach außen transportieren.

Was bedeutet das für Ihr Zugehen auf mögliche Interessenten?

Wir wollen immer wieder deutlich machen, welche Chancen und Möglichkeiten in diesem Beruf liegen und welche Gestaltungsmöglichkeit es gibt. Die Suche nach Spiritualität ist ja gerade in dieser Umbruchssituation besonders groß. Dabei zu vermitteln, worum es im Kern geht, ist entscheidend: Wir können der frohen Botschaft trauen. Die kriegen wir nicht kaputt, egal was in Kirche gerade passiert.

Konkret: Was können Sie machen, um jemanden für den Beruf als Pastoralreferentin oder Pastoralreferenten zu begeistern?

Ich habe nicht den Anspruch, dass das alles nur am IDP hängt, aber ich habe die Zuversicht, dass Menschen durch Begegnungen vor Ort weiter inspiriert werden. Der direkte Kontakt im eigenen Lebensumfeld ist wesentlich entscheidender als unsere Arbeit. Auf Jobmessen, mit Flyern oder mit der Präsenz in Schulen können wir nicht ersetzen, was Menschen im Alltag authentisch ausstrahlen. Da ist jeder Christ aufgefordert, da ist jeder entscheidend. Wenn jemand dann die Spur aufgenommen hat, dann sind wir wichtiger Ansprechpartner, um zu begleiten und Perspektiven zu geben.

Stimmen die Rahmenbedingungen im Bistum dafür?

Es ist traumhaft, wie großzügig das Bistum unsere Arbeit fördert, Menschen spirituell, persönlich und fachlich zu fördern. Das kenne ich so kaum aus anderen Bereichen. So gibt es beispielsweise das Angebot, als Mitarbeitende im pastoralen Dienst das Berufsfeld kennenzulernen. Hier wird intensiv in Herz und Seele investiert. Ich habe deshalb große Hoffnung, dass wir auch künftig genau die richtigen Leute finden, welche die Seelsorge im Bistum Münster prägen werden und weiterhin Menschen begeistern werden. Da geht es mir nicht um Zahlen, sondern um Leute, die wirklich gut sind in diesem Einsatz.

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