Küster-Ausbildung im Bistum Münster beginnt wieder

Neue Küsterin betritt viel Neuland

Das ist ein wichtiger Augenblick für sie: Claudia Bußkamp schließt die Türe zur St.-Gudula-Kirche in Rhede auf. Obwohl sie das fast täglich tut, bleibt sie einen Moment beeindruckt stehen. Der große gotische Kirchenraum hat für sie nichts von seiner Ausstrahlung verloren. Sie zündet ihre Kerze an, immer die gleiche. Und die erste in der Kirche an jedem Tag. „Guten Morgen“, sagt sie dann Richtung Altarkreuz. Ihr Dienst als Küsterin hat damit begonnen.

„Es hängt immer etwas von dem in der Luft, was am Vortag geschehen ist“, sagt die 44-Jährige. Weihrauch, Wachsgeruch, Blumenduft – die Liturgie von gestern ist noch präsent. Die Gottesdienste von heute liegen vor ihr. Und mit ihnen viele Aufgaben. „Gewänder, Messbücher, Kerzen...“, beginnt sie aufzuzählen. „Das sind viele kleine Arbeiten, aber jede ist wichtig.“

„Ich bin das Küken“

Bußkamp ist seit einem halben Jahr Küsterin in Rhede, mit einer halben Stelle. Vier Kirchen und auch eine Krankenhauskapelle gehören zu ihrem Arbeitsbereich. Den teilt sie sich mit vier weiteren Sakristaninnen. „Die haben aber alle viel mehr Erfahrung. Ich bin das Küken.“

Dass sie zum Team gehört, war eine spontane Entscheidung von ihr. „Nach der Messe kam eine der Küsterinnen aus der Sakristei auf den Kirchplatz und stöhnte laut über den sonntäglichen Stress.“ Bußkamp bot Unterstützung an. Eigentlich ehrenamtlich, wie sie das schon in vielen Bereichen der Pfarrgemeinde getan hat. „Ich wollte einfach ein paar Handlanger-Tätigkeiten übernehmen.“

Nicht lange überlegt

Wenige Tage später aber kam der Anruf vom Kirchenvorstand: Ob sie die Stelle einer Küsterin dauerhaft übernehmen könnte. „Ich habe sofort zugesagt.“ Die zweifachen Mutter kann in ihren Berufen als medizinisch-technische Assistentin und medizinische Fußpflegerin aus Gesundheitsgründen nicht mehr arbeiten. „Ich musste nicht lange überlegen.“

Ihre Aufgaben sind jetzt keine Handlanger-Tätigkeiten. „Ich habe mich gewundert, wie umfangreich der Beruf ist.“ Das Bild des Küsters, wie sie es aus dem Blickwinkel der Kirchenbank kannte, hat sich verändert. „Ich weiß jetzt, wie viel hinter den Türen der Kirche alles gemacht werden muss.“ Die wenigen Wege des Küsters kurz vor den Gottesdiensten durch den Altarraum waren ihr bekannt. Die vielen Wege davor und danach – von Kerze zu Kerze, durch die Sakristei oder über die Orgelbühne – nicht.

Schöne Aufgaben

„Alle Aufgaben sind schön“, sagt Bußkamp. „Aber die, bei denen ich mit Menschen zu tun habe, liegen mir am meisten.“ Dafür gibt es in ihrem Beruf viele Möglichkeiten. „Etwa beim Ankleiden der Messdiener“, nennt sie ein Beispiel. „Die Kleinen kommen und fragen mich, ob ich ihnen die Kordel binden kann.“ Die Senioren-Messdiener dagegen brauchen Unterstützung, wenn sie ihre Arme nicht mehr so gut in das Gewand bekommen.

Es gibt aber auch Dinge, die ihr nicht so liegen, gibt sie zu. Das Kreative mit dem Blumenschmuck ist so etwas. „Ich bin froh, dass wir im Team unterschiedliche Talente haben, da ergänzen wir uns.“

Sie bringt sich gern in organisatorische Dinge ein. „Und mit der Wäsche habe ich keine Probleme“, sagt sie. „Ich bin geübt, mein Mann trägt gebügelte Hemden.“ Da geht auch in der Sakristei kein Gewand mit einer Falte zurück in den Schrank.

Nicht nur Technik

Vieles ist Handwerk. „Es darf aber nicht zur Hausmeistertätigkeit werden“, sagt Bußkamp. Wer die Aufgaben nur technisch abarbeite, werde dem besonderen Arbeitsplatz nicht gerecht. „Denn ich betrete jeden Morgen einen heiligen Raum.“ Deshalb die Kerze und der Morgengruß.

Übrigens: Am Abend verabschiedet sie sich ähnlich, wenn sie als Letzte die Tür zuzieht. „Ich bin jetzt weg“, ruft sie in den hallenden Kirchenraum. Dieses Mal richtet sich das aber nicht nur an den Gekreuzigten über dem Altar. „Ich sage das auch laut, damit jemand, den ich übersehen habe, die Chance hat, die Kirche noch zu verlassen.