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Domkapitel wählte Bonnemain nicht - Papst hat ihn trotzdem ernannt

Neuer Bischof für zerstrittenes Bistum Chur in der Schweiz

  • Joseph Maria Bonnemain (72) wird neuer Bischof im seit Jahren zerstrittenen Schweizer Bistum Chur.
  • Das Domkapitel hielt keinen der drei vom Papst Vorgeschlagenen für wählbar; auch nicht Bonnemain.
  • Nun ernannte ihn Franziskus direkt.
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Joseph Maria Bonnemain (72) wird neuer Bischof im seit Jahren zerstrittenen Schweizer Bistum Chur. Die Diözese und der Vatikan teilten die Ernennung durch Papst Franziskus mit.

Bonnemain wohnt in Zürich; er ist seit vielen Jahren Bischofsvikar und damit für die Beziehungen zwischen dem Bistum Chur und den Kantonen zuständig. Laut Medienberichten genießt er einen guten Ruf unter den Churer Katholiken, auch im progressiven Flügel. Als Arzt und Krankenhausseelsorger kenne er die Sorgen der Menschen und sei ein Brückenbauer.

Domkapitel hielt im November auch Bonnemain nicht für wählbar

Mit 72 Jahren ist Bonnemain allerdings ein Übergangsbischof: In zweieinhalb Jahren, mit Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren, muss er dem Papst gemäß Kirchenrecht seinen Rücktritt anbieten.

Eigentlich hätte das aus 22 Priestern bestehende Churer Domkapitel im November den neuen Bischof wählen sollen. Allerdings hielt es mehrheitlich keinen der drei vom Papst Vorgeschlagenen für wählbar; auch nicht Bonnemain, der auf der Wahlliste stand. Nun ernannte ihn Franziskus direkt.

Generalvikar und Weihbischof werden offenbar ausgewechselt

Medienberichten zufolge wird mit der Wahl von Bonnemain die gesamte Churer Bistumsspitze ausgewechselt, darunter auch der umstrittene Generalvikar Martin Grichting (53). Weihbischof Marian Eleganti (65) hatte laut dem Portal kath.ch bereits 2019 seinen Amtsverzicht bei Papst Franziskus eingereicht; dieser nahm ihn nun an.

Seit Ende der 1980er Jahre ist das Bistum von Spannungen zwischen Konservativen und Liberalen geprägt. Das Schweizer Staatskirchenrecht räumt Laien mehr Mitbestimmung ein, als im allgemeinen Kirchenrecht vorgesehen ist. Das führte in den Amtszeiten der sehr konservativen Bischöfe Wolfgang Haas (1988/90-1997) und Vitus Huonder (2007-2019) für viele Konflikte.

Versöhnung schon lange problematisch

Haas' Nachfolger Amedee Grab (1997-2007) gelang es als Schlichter, die Wogen zwischen Bischof und Kirchenvolk weitgehend zu glätten. Unter Huonder brachen die Konflikte jedoch wieder auf. Franziskus ernannte im Mai 2019 den früheren Bischof von Reykjavik, Pierre Bürcher, zum Übergangsleiter der Diözese. Ihm gelang keine Versöhnung.

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