Interview über den neuen Diözesanpastoralplan

Neuer Schwung für die Vielfalt der Gaben und Dienste

Eine zeitgemäße Seelsorge möchte das Bistum Münster mit Hilfe des Pastoralplans gestalten. Im Gespräch erläutert der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Generalvikariat, Pater Manfred Kollig, Ziele des Arbeitspapiers.

Kirche+Leben: Warum benötigt die Diözese Münster einen eigenen Diözesanpastoralplan?

Pater Manfred Kollig: Die letzten beiden Jahre, in denen der Diözesanpastoralplan entstanden ist, haben unserem Bistum bereits gut getan. Menschen kamen zusammen, um gemeinsam die veränderten Bedingungen, unter denen Menschen leben, anzusehen. Im Plan versuchen sie Antworten auf die Frage zu geben: Was hat Jesus Christus den Menschen heute zu sagen? Wie kann die Botschaft Jesu uns und anderen heute leben helfen? Der Plan motiviert, Gott im Alltag zu entdecken und ihm im konkreten Leben Raum, Zeit und damit Bedeutung zu schenken. Er setzt Schwerpunkte für die Pastoral und hilft, vor Ort Akzente in der Seelsorge zu setzen.

Was kennzeichnet den Plan?

Dieser Plan ist gekennzeichnet durch die Wertschätzung für die Vergangenheit und einen zuversichtlichen Blick auf die Zukunft. Jesus Christus und seine Art, mit den Menschen verbindlich in Beziehung zu leben, sind zu allen Zeiten Orientierung eines Pastoralplans. Gleichzeitig befindet sich auch die Kirche im Bistum Münster in einem Veränderungsprozess. Traditionen brechen weg, Selbstverständlichkeiten des religiösen Lebens werden in Frage gestellt. Die Strukturveränderungen in den Gemeinden und der Streit um Reformen in der Kirche haben Enttäuschungen hinterlassen und stellen uns vor neue Herausforderungen. So formuliert es auch das Dokument über „die Sendung der Kirche im Bistum Münster“, das im September 2011 verabschiedet wurde. Diese He­rausforderungen greift der Pastoralplan auf.

Vor welchen Herausforderungen steht die Kirche?

Der einzelne Christ ist stärker gefordert, seinen Glauben und sein Verhältnis zu Gott und zur Kirche vor sich und anderen zu erklären. Auch brauchen wir neue Ansätze einer menschennahen Pastoral, die zunächst nüchtern die Lebensumstände der Menschen wahrnimmt und in diese Umstände hinein die Liebe Gottes in Wort und Tat verkündet.

Welche Grundsausrichtung verfolgt dabei das Bistum?

Wir möchten das gemeinsame Priestertum aller Getauften und Gefirmten in der Diözese stärken. Die Taufe eint Bischöfe, Priester und Laien als Schwestern und Brüder, um in der Verschiedenheit ihrer Dienste am Aufbau des Reiches Gottes und an der Heiligung der Welt mitzuwirken. Damit einher geht die Wertschätzung der von Gott geschenkten Charismen aller. Entsprechend dazu werden wir Hilfen anbieten, die Charismen in den Pfarreien aufzusuchen, zu entfalten und zu vernetzen. Der Plan zielt darauf ab, nicht miteinander zu konkurrieren, sondern sich über die Gaben und Dienste der anderen dankbar zu freuen. Auch zieht sich wie ein roter Faden durch den Plan, dass die Sendung des Bistums Münster nicht an der Grenze der Kirche aufhört.

Wie hat der Diözesanrat um die Formulierungen gerungen?

Der Pastoralplan setzt Prioritäten. In der Kirche fällt es uns oft schwer, Inhalte zu reduzieren und zu elementarisieren. Zu stark ist der Wunsch, die ganze Bandbreite kirchlichen Handelns in einem Plan zu dokumentieren. Wir müssen lernen, Dinge auf den Punkt zu bringen, wobei wir Ungesagtes nicht ausschließen. Der Wert des Plans aber steht und fällt mit der Setzung von Schwerpunkten. Das bedeutet manchmal ein zähes Ringen und Überzeugungsarbeit. Auch gab es bezüglich der Sprache viele Diskussionen: Was den einen zu theologisch klingt, ist für andere zu wenig theologisch.

An wen richtet sich der Pastoralplan?

An alle, die im Bistum Verantwortung für die pastorale Arbeit übernommen haben. Der Pastoralplan ermöglicht es, die Grundlagen und die Gründe für das pastorale Tun transparent zu machen. Aber nochmals: Der Plan ist keine Beschäftigung des Bistums Münster mit sich selbst, sondern mit der „ganzen Welt“. Kirche positioniert sich in dieser Welt, oder wie es das Konzil in seiner Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ sagt: „Nichts Menschliches ist uns fremd.“ Wir sind bereit, uns mit unseren Möglichkeiten auf das Leben und die Nöte der Menschen hier vor Ort einzulassen und ihnen zu dienen. Davon hängt unsere Glaubwürdigkeit als Kirche ab. Und noch wichtiger: Daran wird man erkennen, dass wir Jesus Christus nachfolgen.

Kritiker könnten einwenden, warum denn schon wieder ein neues Kirchenpapier auf den Markt kommt, wenn doch schon so vieles geschrieben worden ist. Was sagen Sie dazu?

Ein Diözesanpastoralplan ist kein Allheilmittel. Er ist ein Arbeitspapier, das von Menschen heute für heute geschrieben wurde. Wem der Plan zu umfangreich ist, kann den Pastoralplan des Apostels Paulus im Kapitel 12 des Römerbriefs lesen. Darin geht es um die Gemeinde, um die Vielfalt der Gaben und Dienste. Paulus fordert zu einem Leben aus dem Geist auf und zur Überwindung des Bösen durch das Gute. Wem dieses Kapitel auch noch zu lang ist, dem empfehle ich, Gottes Gegenwart im eucharistischen Brot und im Ärmsten zu betrachten. Im Wort Jesu: „Was ihr für einen meiner geringsten Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25, 40) wird das zentrale Anliegen des Diözesanpastoralplans in einem einzigen Bibel-Vers ausgedrückt.

Wie wird weiter mit dem Pastoralplan gearbeitet?

Da der Plan die Vereinbarungen benennt, die in den nächsten fünf Jahren mit Blick auf die Pastoral in unserem Bistum unsere Haltung prägen und unser Handeln leiten sollen, kommt dem Gespräch mit den Pfarrern und Pfarrgemeinderäten besondere Bedeutung zu. Schon am 16. April treffen sich die leitenden Pfarrer, um über den Plan zu sprechen. Die erste regionale Konferenz mit den Pfarrgemeinderäten beginnt noch vor den Sommerferien im Offizialatsbezirk Oldenburg. Nach der Wahl der Pfarreiräte im Herbst folgen weitere Konferenzen. Eine Arbeitshilfe zum Diözesanpastoralplan erscheint in den nächsten Wochen. Sie beinhaltet praktische Hilfestellungen für die Gemeindearbeit. Auch als Generalvikariat sind wir ein Gesicht von Kirche. Deshalb werden auch wir auf die Frage antworten: Was bedeutet der Pastoralplan für uns und unsere alltägliche Arbeit? Zudem wird eine Koordinierungsgruppe, in der alle Hauptabteilungen und zwei Mitglieder des Diözesanrats vertreten sind, die weitere Arbeit mit dem Pastoralplan begleiten.