Gast-Kommentar von Martin Zumbült zur Vatikan-Instruktion über Pfarrer, Laien und Leitung

Neuer Wein in alten Schläuchen?

Die Instruktion des Vatikans über Pfarrer, Laien und Leitung setzt alternativen Modellen etwa in Deutschland die kirchenrechtlichen Vorgaben gegenüber. Ist das das Ende aller Reformbestrebungen? Martin Zumbült, Kirchenrechtler und Diözesanrichter in Münster, sieht die Gefahr - aber er zeigt in seinem Gast-Kommentar auch, dass Bibel und Geschichte deutlich mutiger sind. 

Martin Zumbült (49) hat Theologie, Jura und Kirchenrecht studiert und ist seit 2013 Diözesanrichter am Bischöflichen Offizialat Münster sowie Ehebandverteidiger am Bischöflichen Offizialat Aachen. Zuvor war er sieben Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kanonisches Recht der Universität Münster.

„Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche. Denn der neue Wein zerreißt die Schläuche; er läuft aus, und die Schläuche sind unbrauchbar. Neuen Wein muss man in neue Schläuche füllen. Und niemand, der alten Wein getrunken hat, will neuen; denn er sagt: Der alte Wein ist besser.“
(Lukas 5, 37-39)

Diese biblische Metapher taucht in den Evangelien, mit Ausnahme des letzten Satzes, auch bei Matthäus (9,17) und Markus (2,22) auf. Sie scheint für die jungen Gemeinden von großer Bedeutung gewesen zu sein. Vielleicht handelt es sich sogar um Jesu ureigenste Worte. Sie versinnbildlichen den Zusammenhang von Form und Inhalt, von Struktur und Botschaft, von Verfassung und Geist. 

Alte Normen sollen zementiert werden

Das scheint man heute an zent­raler Stelle nicht sehen zu wollen. Die vieldiskutierte, päpstlich approbierte Instruktion „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“ vom 20. Juli versucht, die alten Normen und Strukturen unter Hinweis auf das geltende Recht zu zementieren und die weltweiten Bemühungen um einen Neuaufbau der Gemeinden unter der Leitung von Laien zu beenden. 

Es ist von geistiger und geistlicher Erneuerung die Rede, doch meint man damit ein Zurück zum alten Wein, der doch, ach, so lecker war. Deshalb möchte man auch an den alten Schläuchen festhalten. Alles darin war süß und vollmundig. So glaubt man. Der neue Wein unserer erneuerten Gemeinden zerreißt diese alten Schläuche. Das wollen einige nicht wahrhaben. Sie trauen den neuen Schläuchen nicht und trauern dem alten Wein nach: „So eine Qualität wie früher wird doch heute gar nicht mehr hergestellt.“ 

Neue Schläuche hat es immer gegeben

Doch neue Schläuche hat es immer wieder gegeben: Die der verfolgten Urgemeinde, die der wachsenden Kirche bis hin zur Staatskirche, die neuen Schläuche der gegenreformatorischen Konfessionalisierung, die Milieu-Gemeinden nach der Säkularisation und im Kulturkampf. Es mussten neue Schläuche her, denn die alten konnten den neuen Wein mit veränderten Rezepturen nicht aufnehmen. 

Vielfach ging das nur gegen erbitterte Widerstände, meist aber gab es keine Alternative. In unseren Gemeinden ist ein neuer Wein gereift. Er ist anders als der alte Wein, aber nicht schlechter. 
Viele haben sich an den alten Wein gewöhnt. Sie können oder wollen nicht verstehen, dass der alte Wein ausgetrunken ist. Es gibt guten, neuen Wein. Füllt ihn in neue Schläuche!

Hinweis
Die Positionen der Gast-Kommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von „Kirche+Leben“ wider.