Kirchenhistoriker aus Münster verweist auf große globale Unterschiede

Norbert Köster sieht eine Ungleichzeitigkeit in der Kirchenkrise

Norbert Köster, ehemaliger Generalvikar im Bistum Münster, sieht in den unterschiedlichen Wirklichkeiten in der Weltkirche eine große Herausforderung für den Anti-Missbrauchsgipfel in der kommenden Woche in Rom. Denn die entstandene Krise zeige auch die verschiedenen Sichtweisen auf die Realität in den Ortskirchen der Kontinente, sagte er im Interview mit domradio.de. Nach  Ansicht des Kirchenhistorikers müsse „jetzt die Anpassung an die westliche Welt im guten Sinne kommen“.

Köster ist sich sicher, dass derzeit ein neues Kapitel in der Kirchengeschichte aufgeschlagen werde: „Zumindest für Westeuropa oder die westliche Welt.“ Das Problem sei „die sehr große Ungleichzeitigkeit in der Kirche“. „Die Sichtweise auf die Probleme in Afrika und Asien sind ganz andere.“

Papst dämpft Erwartungen

Papst Franziskus stehe deshalb vor der wichtigen Frage, wie er globale Veränderungen in der Kirche angehen könne. „Deshalb dämpft er ja selber auch die Erwartungen an den Gipfel in der kommenden Woche, weil es wirklich erst einmal darum geht, Bischöfen an das Thema heranzuführen, die aus Gesellschaften kommen, die wir noch als archaisch bezeichnen würden.“ Dort seien Anfragen etwa an das Priestertum oder an die Gewaltenteilung in der Kirche  undenkbare Themen.

Wichtige Aufgabe des Papstes sei es deshalb, zu verhindern, dass es zu Spaltungen komme. „Er muss die  Wege in einen Tempo gehen, in dem die meisten auch wirklich mitgehen können.“

„Auseinandersetzungen zwischen den Bischöfen sind wichtig“

Auch in den zum Teil stark unterschiedlichen Standpunkten der deutschen Bischöfe sieht Köster ein Problem. „Aber es kann gar nicht anders sein, das ist ein großes Ringen um den richtigen Weg in die Zukunft." Eine solche Auseinandersetzung müsse es geben. „Man kann nicht erwarten, dass alle Bischöfe auf einen Schlag die richtige Antwort wissen, so wie die Gläubigen ja auch nicht!“