Dombauverein übergibt Gemälde an Erben Graykowski

NS-Raubkunst: Holländisches Bild kehrt von Xanten nach Wien zurück

Das Gemälde „Holländisches Platzbild“ wird nach dem Willen des Erben John Graykowski wieder nach Hause zurückkehren: In Wien wird es in eine Ausstellung über NS-Raubkunst integriert. „Es wird nach Hause zurückkehren mit der Geschichte, die dazugehört. Und die Geschichte des Bildes ist das Wichtigste“, sagte Graykowski im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag in der Geschäftsstelle des Xantener Dombauvereins.

In Zusammenarbeit mit der „Commission for Looted Art“ in Europa, einer Non-Profit-Organisation von Experten, die sich um die Rückführung von Raubkunst an die Erben bemüht, hat der Dombauverein das Bild an den Erben John Graykowski zurückgegeben.

Besonderes Geschenk für kranken Onkel

Bevor es jedoch nach Wien überstellt wird, wird Gaykowski es seinem kranken Onkel in Amerika noch einmal zeigen. Er sei die letzte lebende Person, die Gottlieb Kraus in Wien gekannt habe. Heute sei ein spezieller Tag für ihn, sagte Graykowski. „Ich bin die erste Person in meiner Familie, die das Bild sieht.“ Die Familie warte in gewisser Weise seit achtzig Jahren auf diesen Moment, seit Gottlieb, Mathilde und Marie Kraus mit kaum mehr als ihrem Leben aus Wien fliehen und ihre Kunstsammlung einem ungewissen Schicksal überlassen mussten, erinnerte Graykowski.

Nach dem Krieg bemühte sich die Familie Kraus über mehrere Jahrzehnte bei den Regierungen von Deutschland und Österreich, die umfangreiche Kunstsammlung aufzuspüren und zurückzuerhalten, jedoch ohne Erfolg. Von den im Nazi-Reich beschlagnahmten 160 Bildern ist das van der Heyden-Gemälde nach Auskunft von Graykowski erst das siebte Gemälde, das der Familie zurückgegeben worden ist. Österreich hatte 2002 und 2004 sechs Bilder zurückgegeben. 

Schlusspunkt nach langem Ringen

Die Übergabe war der Schlusspunkt eines langen Ringes um das Gemälde, das dem holländischen Maler Jan van der Heyden aus dem 17. Jahrhundert zugeschrieben wird. Der Freistaat Bayern hatte das Bild an Henriette Hoffmann-von Schirach, einer der Tochter von Heinrich Hoffmann, heimlich verkauft. Ähnliche Vorgänge werden zurzeit vom bayerischen Landesparlament untersucht.

Der Dombauverein hatte das Gemälde 1963 im Auktionshaus Lampertz in Köln erworben, ohne zu wissen, dass dieses Gemälde ursprünglich der Familie Kraus gehörte. 2016 hatte ein Anwalt der Familie Kraus gefordert, der Dombauverein solle das Gemälde an die Familie zurückgeben.