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Pfarrei baut stattdessen Kindergarten und Pfarrheim in neuem Stadtteil

Nun kommt das Ende für die Bonifatiuskirche in Oldenburg

  • Die Filialkirche St. Bonifatius Oldenburg wird am 15. November von Weihbischof Wilfried Theising profaniert.
  • Die Pfarrgemeinde gibt sie auf und baut dafür in einem Neubaugebiet Kindergarten und Pfarrheim neu.
  • Mit St. Bonifatius wird die zehnte Kirche im oldenburgischen Teil des Bistums profaniert.
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Hier gab es schon einmal vier Kirchen: in der Gemeinde St. Marien im Norden der Stadt Oldenburg. Am 15. November werden es nur noch zwei sein. An diesem Tag wird Weihbischof Wilfried Theising die Filialkirche St. Bonifatius im Stadtteil Donnerschwee feierlich profanieren, in einem Gottesdienst für die kirchliche Nutzung schließen. Dann ist St. Bonifatius nur noch eine leere Halle an einer belebten Ausfallstraße. Auch das Pfarrheim gegenüber wird geschlossen.

Das sei sicher ein großer Einschnitt, sagt Irmgard Weimann, stellvertretende Vorsitzende im Kirchenausschuss von St. Marien, der das Gemeindevermögen verwaltet. Aber die Gemeinde habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht.

Sanierungskosten nicht entscheidend

Anderswo in der Gemeinde investiert St. Marien in die Zukunft - in ein neues Pfarrheim und einen neuen Kindergarten. Hier Weihbischof Wilfried Theising (vorne links) und Pfarrer Jan Kröger (vorne Mitte) im September 2019 beim ersten Spatenstich für einen neuen Kindergarten. | Foto: Ludger Heuer (bpv)
Anderswo in der Gemeinde investiert St. Marien in die Zukunft - in ein neues Pfarrheim und einen neuen Kindergarten. Hier Weihbischof Wilfried Theising (vorne links) und Pfarrer Jan Kröger (vorne Mitte) im September 2019 beim ersten Spatenstich für einen neuen Kindergarten. | Foto: Ludger Heuer (bpv)

Offensichtliche Gründe wie die schlechte Auslastung von Kirche und Pfarrheim sowie hoher Sanierungsbedarf seien nicht entscheidend. „Wir wollten vielmehr für unsere Gemeinde einen neuen pastoralen Schwerpunkt setzen, mit Blick in die Zukunft.“ Als Folge des Pastoralplans, den die Gemeinde St. Marien 2016 verabschiedet hat.

Der aber sei nicht denkbar rund um die kleine, nun 60 Jahre alte Bonifatiuskirche am Stadtrand, stellt Irmgard Weimann klar. Wohl aber bei der zweiten Filialkirche St. Christophorus.

Viele junge Familien kommen

Der Hintergrund: Die Bevölkerung der Stadt Oldenburg, wächst. Viele junge Familien ziehen in zwei große Neubaugebiete auf dem Gelände der Gemeinde. Auf einem ehemaligen Kasernengelände sind 750 Wohnungen errichtet worden, bei der Filialkirche St. Christophorus entsteht praktisch ein neuer Stadtteil mit 600 Häusern und Wohnungen.

Die Gemeinde St. Marien hat darauf reagiert: Neben dem Neubaugebiet dort hat sie einen weiteren Kindergarten gebaut und anstelle des baufälligen Pfarrheims eine neue Begegnungsstätte errichtet, für mehr als zwei Millionen Euro. Als „eine Art Familienzentrum“, wie Pfarrer Jan Kröger das einmal genannt hat. Kröger wird jetzt Pfarrer in Rheine, wird an seinem letzten Arbeitstag in Oldenburg aber an der Profanierung von St. Bonifatius teilnehmen.

Projekt „familienfreundliche Gemeinde“

Kröger hat die Neubaugebiete immer als „große Chance“ für die Gemeinde beschrieben. Nicht umsonst habe sich St. Marien in ihrem Pastoralplan als „familienfreundliche Gemeinde“ definiert.

Dieser Gedanke hat auch Irmgard Weimann überzeugt. Bei allen Beratungen habe immer der Gedanke im Vordergrund gestanden: „Wie können wir die Zukunft unserer Gemeinde gestalten?“ Mit dem Ergebnis, dass St. Bonifatius darin keinen Platz hat.

Widerspruch aus St. Bonifatius

Gegen diesen Beschluss der Pfarrgremien gab es sofort Widerspruch. In St. Bonifatius formierte sich eine Gruppe, die bei der Stadtverwaltung Denkmalschutz beantragte, um das Gebäude zu erhalten. Diese Frage ist noch nicht entschieden, die Kirche wird nun aber doch profaniert.

Natürlich falle die Entscheidung, eine Kirche und ein Pfarrheim zu schließen, nicht leicht, sagt Irmgard Weimann. „Wir blenden die Trauer der Menschen hier nicht aus“, versichert sie. Aber es gehe ja nicht einfach darum, eine Kirche zu schließen. „Sondern wir bauen dafür an anderer Stelle etwas auf. Das gibt doch Hoffnung.“

Profanierung in Oldenburg
Mit der Weihe wird aus einem Gebäude eine Kirche. Umgekehrt macht die Profanierung, die Ent-Weihung, aus einer Kirche wieder ein ganz normalen Gebäude. Dafür gibt es eine eigene Liturgie, die im Rahmen einer letzten heiligen Messe in dieser Kirche gefeiert wird. Dabei werden die im Altar eingesetzten Reliquien entfernt und das Allerheiligste aus der Kirche getragen. Das Gebäude könnte dann abgerissen oder verkauft werden. Bei St. Bonifatius wird das Bischöfliche Offizialat in Vechta das weitere Verfahren übernehmen.
Im Oldenburger Land ist St. Bonifatius Oldenburg die zehnte Profanierung seit 2004. Damals hatte Offizial Heinrich Timmerevers einen „Zukunftsplan für die Seelsorge“ in Kraft gesetzt, in dessen Folge die 123 Kirchengemeinden zu 39 zusammengelegt wurden. Auch die Gebäude kamen auf den Prüfstand. Zuerst wurde 2006 St. Paulus in Oldenburg profaniert, zuletzt 2019 St. Josef Rodenkirchen in der Wesermarsch.

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