Was sich lohnt, über die jecken Tage gerettet zu werden

Nur Mut zu Leichtfüßigkeit – nicht nur im Karneval!

So viel Dummes, Schlimmes, Böses geschieht jeden Tag – wie soll man damit umgehen, ohne verrückt zu werden? Karneval feiern, ganz im Ernst! Auch nach der jecken Zeit.

„Gestern standen wir am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter.“ Mit Weisheiten wie dieser lassen sich definitiv auch schwere Zeiten überstehen. Zumindest solange man sich an der Abgrundkante vor Lachen auf dem Boden kugelt.

Zugegeben, die Gesamtsituation gäbe reichlich Anlass, eher zu weinen oder doch wenigstens den Kopf zu schütteln über so manches, was in Politik, Gesellschaft oder Kirche geschieht oder unterbleibt. Aber man darf sich auch nicht verrückt machen! Was in diesen Tagen paradoxerweise bedeutet, den Jeck in sich zu entdecken und mit Schmackes rauszulassen.

Das hält kein Mensch aus

Karneval zu feiern, heißt ja nicht, sich die Augen mit Schminke zuzukleistern, um nur nicht das ganze Elend dieser Welt zu sehen. Im Gegenteil! Viele Wagen auf den Umzügen prangern ja mit großer Lust an, was daneben läuft von Berlin über Münster und Köln bis nach Rom. Manchmal reichlich derb, auf jeden Fall überspitzt. Ernsthaft verletzen oder übermäßig bloßstellen darf auch das jecke Treiben nicht, aber pieksen und ein bisschen weh tun soll das Ganze schon. Sonst merkt man ja nichts.

Wenn jedenfalls der Humor die Lufthoheit über den Alltag übernimmt, bringt das einen heilsamen Abstand von allem Schweren und Schwierigen – und das ist auch gut so. Man muss sich nicht ständig vor Augen halten, wie schlecht die Welt ist, wie bekloppt dieser oder jener, wie unhaltbar die Zustände im Allgemeinen. Bei Licht besehen hält das kein Mensch aus.

Unser Hirn ist viel zu klein

Es ist völlig in Ordnung, nicht jedes Leid weltweit ganz nah an sich heranzulassen, nicht jeden Konflikt auf dem Globus bis in die Feinheiten zu verstehen, nicht zu jedem Unding „Skandal!“ zu rufen. Dafür ist die Welt viel zu kompliziert, sind die Nachrichten viel zu viele und unser ohnehin beschränktes Hirn viel zu klein. Wach sein und feinfühlig für die Menschen, die mir als Nächste nahe gehen – das ist ja trotzdem drin.

Die jecken Tage können so gesehen tatsächlich etwas lehren: sich nämlich auch im Alltag eine gewisse Leichtfüßigkeit zu bewahren. Nicht alles todernst nehmen – „sonst gehste kapott“, wie die Rheinländer mir beigebracht haben. „Seht euch die Vögel des Himmels an“, heißt das bei Jesus: „Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“

Macht euch keinen Kopf!

Anders gesagt: Macht euch nicht ständig einen Kopf darüber, was alles kommen könnte. Verplant nicht euer ganzes Leben. Glaubt nicht, ihr müsstet immer alles voll und ganz im Griff haben! Lasst euch nicht von euren Sorgen leiten. Sein Rat: ein bisschen mehr Gelassenheit, ein bisschen mehr Gottvertrauen. Nicht ständig von dem leiten lassen, was nicht funktioniert – sondern Kraft aus dem schöpfen, was gut ist und schön.

Das ist, zugegeben, etwas abgehoben, schwebt ein wenig über der manchmal eben doch recht harten Realität. Womöglich aber bringt etwas Abstand auch tatsächlich neue Perspektiven, lässt angeblich Großes kleiner werden und bewusster und leichter einen Fuß vor den anderen setzen, weg vom Abgrund.