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Abriss des Lydia-Gemeindezentrums verstärkt Zusammenarbeit

Ökumene in Münster: Evangelische Gemeinde feiert in katholischer Kirche

  • Die Kirchengemeinde St. Sebastian in Münster-Nienberge bietet den evangelischen Christen die Nutzung der katholischen Kirche und des Pfarrzentrums an.
  • Das hat ökonomische Gründe und ist ein weiteres Beispiel für Ökumene.
  • Die Zusammenarbeit zwischen den christlichen Gemeinden gibt es bereits seit Jahrzehnten.
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Die Kirchengemeinde St. Sebastian in Münster-Nienberge bietet den evangelischen Christen die Nutzung der katholischen Kirche und des Pfarrzentrums an. Das hat ökonomische Gründe und ist ein weiteres Beispiel für Ökumene.

„Begegnung“ heißt die Skulptur des Bildhauers Hubert Teschlade vor dem evangelischen Lydia-Gemeindezentrum in Münster-Nienberge. Die Skulptur gehört der katholischen St.-Sebastian-Gemeinde (Pfarrei Liebfrauen-Überwasser) und der evangelischen Lydia-Gemeinde Nienberge-Havixbeck. Das wurde 1988 sogar vertraglich vereinbart.

 

Langjährige Zusammenarbeit der Gemeinden

 

Die Arbeit des Nienberger Künstlers ist ein Symbol für die seit vielen Jahren bestehende und praktizierte Zusammenarbeit der beiden christlichen Gemeinden, die sich jetzt auch räumlich festigt. Konkret heißt das: Das Lydia-Gemeindezentrum wird im nächsten Jahr abgerissen und weicht einem Gebäudekomplex, in dem überwiegend Wohnungen entstehen sollen, aber auch ein Gemeinderaum. In der gesamten Bauphase nutzt die evangelische Gemeinde die St.-Sebastian-Kirche und Räume im katholischen Pfarrzentrum. So sollen evangelische Gottesdienste in der katholischen Kirche gefeiert werden, auch Gruppen, die sich im Lydia-Zentrum treffen, bekommen – zunächst auf überschaubare Zeit – eine neue Heimat unter einem gemeinsamen Dach.

„Das ist gelebte Ökumene“, betonen der leitende Pfarrer von Liebfrauen-Überwasser, André Sühling, und sein evangelischer Amtsbruder Oliver Kösters (Nienberge-Havixbeck) übereinstimmend. Beide blicken dankbar auf das gute ökumenische Miteinander, das in vielen Jahren gewachsen sei. Bekannte Beispiele dafür sind der  Arbeitskreis „Offene Gemeinde“, der sozialpädagogische Arbeitskreis, der Weltgebetstag der Frauen-Bibelkreise  und die Neujahrsempfänge, zu denen beide Kirchen einladen. 2019 war dort die Zukunft des Lydia-Zentrums ein Thema. Oliver Kösters sagte damals: „Es kommt also der Zeitpunkt, an dem wir Eure Kirche mehr brauchen.“

 

Viele Detailfragen kommen auf

 

Der Zeitpunkt ist jetzt nähergerückt „und es müssen viele Detailfragen geklärt werden“, sagt Pfarrer Sühling. Welche Gruppen brauchen welche Räumlichkeiten? Wie werden die Termine für Gottesdienste in St. Sebastian koordiniert? Gibt es mehr gemeinsame Gottesdienste? Solche Fragen würden in gegenseitigem Einvernehmen gelöst und es sei ein besonderes Anliegen, „das Mögliche gemeinsam zu tun“, betont der Geistliche und greift damit ein Leitmotiv ökumenischer Zusammenarbeit auf. Das könnte auch heißen, den Glauben über konfessionelle Grenzen hinweg leben.

Die enge Zusammenarbeit der beiden Gemeinden erlebt Werner Tillmann schon seit mehreren Jahrzehnten. Der Nienberger engagierte sich 34 Jahre im Kirchenvorstand der St.-Sebastian-Gemeinde (nach der Fusion in Liebfrauen-Überwasser), darunter auch als stellvertretender Vorsitzender. Er erinnert sich, dass es vor etwa acht Jahren Gespräche darüber gab, ob die evangelische Gemeinde Einrichtungen der katholischen Kirche nutzen könne. Das Angebot zur Mitnutzung sei also nicht neu, denn „wir haben damals schon gesagt: Ihr könnt zu uns kommen.“ Tillmann freut sich darüber, dass dieses Angebot jetzt umgesetzt wird.

 

Sühling: „Unsere Türen stehen offen.“

 

Die Verbundenheit der beiden Kirchengemeinden ist sogar in „Vereinbarungen über die ökumenische Zusammenarbeit zwischen der evangelischen Lydia-Kirchengemeinde und der katholischen Kirchengemeinde St. Sebastian“ von 2002 festgehalten. Darin steht auch, dass der Verlauf der Partnerschaft regelmäßig überdacht und die Vereinbarungen weiterentwickelt werden sollen. Jetzt ist dafür wieder einmal der Zeitpunkt gekommen. Pfarrer Sühling sagt zur bevorstehenden räumlichen Zusammenarbeit: „Unsere Türen stehen offen.“ Und sein Amtsbruder Kösters erwidert: „Wir fühlen uns willkommen.“

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