MEDIENTAGE

Ex-„Zeit“-Chef in Sorge um Regionalmedien – Peter Tauber mahnt Kirchen

Anzeige

Bei den Ökumenischen Medientagen wirft Rainer Esser Blick auf die Presselandschaft. Ex-CDU-Generalsekretär Tauber spricht über die Frohe Botschaft.

Der ehemalige „Zeit“-Geschäftsführer Rainer Esser befürchtet, dass die Regionalpresse in Deutschland bei der digitalen Transformation auf der Strecke bleibt. „Die Regionalzeitungen haben nicht die Ressourcen, die Digitalisierung zu umarmen“, sagte Esser in dieser Woche in Frankfurt am Main.

Der Medienmanager verwies auf Entwicklungen in den USA, wo in einigen Landstrichen keine regionale Zeitung mehr erscheint. Dort sei zu beobachten, dass sich Menschen von der Politik und Wahlen abwenden. Zugleich nähmen Korruption und Populismus zu.

Esser: Bei den Überregionalen läuft das digitale Geschäft

Anders als die ökonomische Lage bei den regionalen Verlagen sei die Situation bei überregionalen Titeln wie der „Zeit“, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und der „Süddeutschen Zeitung“. Diese hätten in den vergangenen Jahren im Digitalen ihre Umsätze und Abonnements deutlich gesteigert. „Das Geschäft läuft“, sagte Esser, der bis Februar Geschäftsführer der Wochenzeitung „Zeit“ war.

Der ehemalige CDU-Generalsekretär Peter Tauber rief die Kirchen bei der Tagung dazu auf, die christliche Botschaft ins Zentrum ihres Handelns zu stellen, um gesellschaftliche Relevanz zu haben. Kirche sei keine gewöhnliche Nichtregierungsorganisation. Gesellschaftliche Relevanz entstehe nicht durch Anpassung, sondern durch Unterscheidbarkeit.

Tauber: Ohne christliche Botschaft macht sich Kirche überflüssig

Alles, was Kirche tut, müsse mit Jesus Christus zu tun haben. „Sonst ist es Schmuck am Nachthemd, sonst kann es weg“, sagte Tauber, der sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Spitzenpolitik zurückgezogen hat und heute als Berater von Unternehmen und Verbänden tätig ist, bei der kirchlichen Medientagung. Keiner habe mit seiner Botschaft einen so starken Markenkern wie die Kirchen, der sei „unschlagbar gut“.

Auch der Medienmanager Esser wünscht sich, dass leitende Geistliche beider großer Kirchen die christliche Botschaft entschiedener öffentlich vertreten. Viele Menschen suchten in der heutigen Gesellschaft nach Werten. Da sei es gut, die „frohe Botschaft“ des Christentums ein „bisschen offensiver“ bekannt zu machen, sagte der Katholik Esser.

Tauber: Kirchen nicht „politische Stichwortgeber“

Tauber, der sich in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck engagiert, warnte davor, dass sich die Kirchen als „politische Stichwortgeber“ missverstehen. Sicher dürfe eine Kirche eine Haltung zu einem Tempolimit oder Arbeitszeitregelungen haben. „Aber ist das der Kern der christlichen Botschaft?“, fragte Tauber.

Bei den 3. Ökumenischen Medientagen berieten Vertreterinnen und Vertreter kirchlich getragener Buchverlage und Medienhäuser bis Mittwoch in Frankfurt am Main. Thema des Treffens war „Relevanz?! Konfessionelle Medien in Kirche und Gesellschaft“.

Anzeige

Komplet - der Abend-Newsletter von Kirche+Leben

JETZT KOSTENLOS ANMELDEN



Mit Ihrer Anmeldung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.