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Lange war über die Nachfolge des Dominikaners an der Spitze des wichtigsten österreichischen Bistums spekuliert worden. Der Neue ist kein Unbekannter.
Papst Leo XIV. hat Josef Grünwidl zum neuen Erzbischof von Wien ernannt. Der Priester verwaltete die österreichische Erzdiözese seit Januar dieses Jahres als Apostolischer Administrator. Er tritt damit die Nachfolge von Kardinal Christoph Schönborn OP an.
Die Entscheidung sei vor wenigen Tagen vom Papst getroffen und am Mittwoch dem Apostolischen Nuntius Pedro López Quintana sowie dem künftigen Wiener Erzbischof mitgeteilt worden, heißt es von Seiten der Erzdiözese. Weihe und feierliche Amtseinführung im Stephansdom sind für den 24. Januar 2026 geplant.
Freude über neue Aufgabe
In einer ersten Stellungnahme per Videobotschaft freute sich Grünwidl über seine Ernennung. Auch wenn das Amt des Wiener Erzbischofs eine „sehr große und herausfordernde Aufgabe“ sei, habe er „nach einigem Zögern jetzt wirklich aus ganzem Herzen Ja“ dazu gesagt. Grünwidl verstehe sich als „Seelsorger und Hirte“, der alle Menschen auf ihrem Weg begleiten will.
Gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress äußerte sich der emeritierte Wiener Erzbischof Schönborn anerkennend über seinen Nachfolger. Das Erzbistum sei bei Grünwidl in guten Händen: „Er kennt unsere Diözese in all ihren Dimensionen - ihre großen Stärken, ihre Schwächen - und die Herausforderungen unserer Kirche in Wien, in Österreich und Europa.“
Erfahrener Seelsorger
Der Niederösterreicher Grünwidl (62) wurde 1988 im Stephansdom von Kardinal Franz König zum Priester geweiht. Anschließend war er als Sekretär von Kardinal Schönborn und lange Jahre in der Gemeindeseelsorge tätig. Ab 2016 amtierte Grünwidl als Vorsitzender des Wiener Priesterrats. Vor zwei Jahren ernannte ihn Schönborn zum Bischofsvikar für das Vikariat Süd.
Während seiner Zeit als Apostolischer Administrator bezog Grünwidl mehrfach zu kirchenpolitischen Fragen Stellung. Im April dieses Jahres empfahl er zum Beispiel gegenüber dem ORF, den Pflichtzölibat zu lockern: „Ich sehe nicht ein, dass es notwendig ist, zölibatär zu leben, um Priester zu sein“, so der künftige Wiener Erzbischof. Grünwidl soll Mitglied der „Pfarrer-Initiative Österreich“, einer Reformgruppe von Geistlichen, gewesen sein.