NRW-POLITIK

Droht dem Offenen Ganztag in NRW der Kollaps? Caritas sendet Hilferuf

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Droht dem Offenen Ganztag in NRW der Kollaps? Die Caritas sendet mit anderen Trägern einen Hilferuf an die NRW-Landesregierung.

Die Hütte brennt bei den Offenen Ganztagsschulen (OGS) im Primarbereich. Die Träger für den außerunterrichtlichen Bereiche aus der Freien Wohlfahrtspflege rutschen immer tiefer in rote Zahlen und haben deshalb jetzt bei einer Zusammenkunft in der Ahlener Don-Bosco-Grundschule beim heimischen CDU-Landtagsabgeordneten Markus Höner Alarm geschlagen.

Vertreter von neun Grundschulen haben dem Beckumer Politiker einen Berg mit Wunschzetteln an die Landesregierung überreicht. „Das Land ist ein wichtiger Akteur für die Schaffung von finanziellen und inhaltlichen Rahmenbedingungen“, machte Heinrich Sinder, Geschäftsführer des Caritasverbandes Ahlen, Sendenhorst und Drensteinfurt deutlich. Das Gleiche gelte für die Kommune bei dem pflichtigen und freiwilligen Geldanteil.

OGS-Rechtsanspruch in NRW kommt

Noch ist die OGS ein freiwilliges Angebot, das zurzeit von 60 Prozent der Ahlener Grundschüler in Anspruch genommen wird. Das sind mehr als 1.100 Kinder. Ab dem 1. August 2026 haben die Eltern einen Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz. Die Prognosen schwankten zwischen einer Steigerung von 74 bis 92 Prozent bei der Nachfrage, so Sinder. Dafür müssen neue personelle und räumliche Voraussetzungen geschaffen werden.

Caritas, Arbeiterwohlfahrt, das Familienzentrum Beckum und noch der Evangelische Kirchenkreis stellen das OGS-Angebot in Ahlen sicher. Der Evangelische Kirchenkreis wird sich jedoch zum Schuljahresende an drei Grundschulen aus Finanzierungsgründen zurückziehen. „Wir haben in der Praxis Riesenschwierigkeiten“, betonte Volker Alteheld mit Verweis auf die Tarifentwicklung in diesem Jahr. Es gebe Lohnsprünge bis zu 13,4 Prozent. Das führe zu Abstrichen bei der Arbeit.

Caritas fordert Nachschubfinanzierung für OGS-Bereich

Mit dem gleichen Geld könnten nicht immer mehr Betreuungsstunden angeboten werden. Normalerweise dauert die OGS von 11.30 bis 16 Uhr. Die jährliche Anpassung der Landesförderung von drei Prozent reiche hinten und vorne nicht. „Das Land müsste den Fördersatz um zehn Prozent erhöhen“, forderte Sinder eine Nachschubfinanzierung aus Düsseldorf.

Zumal weitere Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst drohen, wenn der aktuelle Tarifvertrag ausläuft. Ein Erlass des Landes zur OGS im Primarbereich bleibe deutlich hinter den Erwartungen der Freien Wohlfahrtspflege in NRW zurück. „Wir hätten uns ein Ausführungsgesetz und eine stärkere Verbindlichkeit für das Angebot gewünscht, um eine vergleichbare Qualität in ganz NRW sicherzustellen“, kritisierte der Caritas-Geschäftsführer. Denn alle Kinder müssten die gleichen Startchancen bekommen.

Ahlens Sozialstruktur verschärft OGS-Problem

Damit sind aber nicht nur solide Finanzen gemeint, sondern auch weitere Standards. Konkret geht es um die personellen Ressourcen (Stichwort Fachkräftemangel), das Raumprogramm oder auch die Qualität der Ernährung. Auf Landesebene gebe es leider kein Qualitätsgesetz, monierten die Vertreter der Schulen. Die Bedürfnisse der Kinder müssten an erster Stelle stehen, um dem Bildungsauftrag gerecht zu werden.

In Ahlen mit einer schwierigen Sozialstruktur stehe die Stadt mit dem Rücken zur Wand, verwies die Erste Beigeordnete, Stefanie Kosbab, auf die prekäre finanzielle Situation, die man mit anderen Kommunen teile. Der städtische Anteil an der OGS-Finanzierung stelle eine große Herausforderung dar, auch weil 30 Prozent der Kinder von einer Zuzahlung befreit seien, verwies die Sozialdezernentin auf die soziale Staffelung. Die Stadt fördere jedes Kind mit 3.000 Euro pro Jahr. Mehr sitze an freiwilligen Leistungen momentan nicht drin.

Große Demo vor NRW-Landtag geplant

Das Land bemühe sich in allen Bereichen um Einsparungen zugunsten von Kindern und Schule, äußerte Markus Höner Verständnis für die Sorgen und Nöte der OGS-Träger. Dabei sei man auf einem guten Weg. Kindern und Jugendlichen dürften Startchancen nicht verbaut werden. „Der Austausch ist wichtig, um auf die laufenden Haushaltsberatungen für das nächste Jahr Einfluss nehmen zu können“, versprach der Abgeordnete mit Verweis auf ein Gespräch mit Bischof Felix Genn im Frühjahr zu dieser Problematik. Die Wunschzettel werde er auswerten, die Inhalte an die zuständigen Ministerien kommunizieren und sich zurückzumelden.

Die Freien Wohlfahrtsverbände rufen derweil am 13. November zu einer Demo vor dem Düsseldorfer Landtag auf. „Der Sozialbereich darf nicht hinten runterfallen“, warnte Heinrich Sinder vor geplanten Abstrichen im Landeshaushalt von 83 Millionen Euro bei Bildung und Sozialem. Fortsetzung folgt, während die Hütte weiter brennt.

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