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Michael Rottmann über die Folgen für Menschen, die bleiben wollen

Ohne Reformen wird es noch mehr Kirchenaustritte geben

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Was bedeutet eine wachsende Zahl von Kirchenaustritten für diejenigen die - bisher jedenfalls - bleiben wollen? Worauf kommt es an, damit nicht auch noch sie gehen? Der Druck auf sie wächst, meint Michael Rottmann. Deshalb brauchen sie klare Signale des Wandels – als Argumente fürs Bleiben.

Wir haben uns schon daran gewöhnt: keine Woche ohne Horrormeldungen zum Thema Kirche. Missbrauch, Vertuschung, Finanzskandale. Kein Wunder, dass sich mittlerweile immer mehr Menschen die Sinnfrage stellen: Gehen oder Bleiben? Nicht wenige haben sie bereits „abschlägig beschieden“. Die Welle der Empörung schwappt vor die Portale der Standesämter, nicht nur in Köln.

Auch im eigenen Dorf oder Stadtteil halten Frust und Kirchen-Bashing längst die Lufthoheit über den Skype- oder Zoom-Stammtischen. Einst der Institution Kirche wohlgesonnene Freunde und Bekannte fragen mit ernstem Gesicht: „Und du? Willst du den Laden etwa weiter mit Kirchensteuern unterstützen?“

Drohungen sind der falsche Weg

Solche Fragen nagen an immer mehr Menschen, auch an solchen, die die Missstände wohl sehen und scharf verurteilen, die aber beharrlich auf Reformkräfte und Veränderungsbereitschaft setzen – vorerst jedenfalls. Denen in solchen Diskussionen aber leicht die Argumente ausgehen. Weil sie es selbst ja auch nur schwer aushalten, wenn ihnen wie bei der Frage einer Segnung für gleichgeschlechtliche Paare immer neue Knüppel zwischen die Beine fliegen. Sodass auch sie sich irgendwann fragen: Was hält mich überhaupt noch?

Sicher keine Briefe, die ihnen nur die kirchenrechtlichen Konsequenzen eines Austritts ins Gewissen rufen. Eine Gemeinschaft mit Zukunft braucht Menschen, die nicht aus Furcht, sondern in aller Freiheit und aus Freude und Zuversicht dazugehören wollen.

Kirche muss nicht perfekt sein

Dafür muss eine Kirche nicht frei von Krisen sein. Im Gegenteil: Streit, Fehltritte, schwache Momente – all das ist menschlich und gehört dazu. Entscheidend ist, dass glaubwürdig und zupackend damit umgegangen und nichts vertuscht oder verschleppt wird.

Einige Signale der vergangenen Monate und Jahre stimmen zuversichtlich. Wer es sehen will, kann erkennen, dass sich Dinge langsam bewegen. Fraglich bleibt, ob das ausreicht. Fest steht, dass sich verunsicherte Gläubige nicht allzu lange mit halbherzigem Rumgeeiere abspeisen und vertrösten lassen werden. Irgendwann reißt auch ihr Geduldsfaden.

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