Immer wieder wirbt Angelika Hirschmann bei Seniorentreffs – und spürt auch dort oft etwas von der Scham der Betroffenen. „Wenn Frauen ihren Info-Flyer ,für eine Nachbarin‘ mitnehmen und sich am nächsten Tag oder später selbst mit ihren Sorgen und Nöten melden.“
Insgesamt mehr als 50 Frauen haben in den vergangenen vier Jahren bei Angelika Hirschmann Hilfe gesucht. Bei manchen dauert die Begleitung lange. Bei anderen reichen wenige Termine. Wie zum Beispiel bei der Frau, die den Überblick über ihre Rechnungen und Schulden verloren hatte – und wo eine kurze Unterstützung ausreichte. Nach zwei Monaten war alles geklärt.
Kostenloses Beratungsangebot des SKF
Im vergangenen Jahr habe die Armuts-Einkommensschwelle in Deutschland bei rund 1.300 Euro gelegen, weiß Angelika Hirschmann. Aber sie verlangt von den Frauen für das kostenlose Beratungsangebot des SKF weder Einkommensbescheide noch andere Nachweise.
„Ich stelle einige Fragen und mache mir so ein Bild“, sagt sie. Dazu gehört auch ein Blick auf das soziale Umfeld, Nachbarn oder Verwandte. „Es gibt Frauen, die mit unfassbar wenig Geld auskommen, weil sie sich ein eigenes Hilfsnetz aufgebaut haben“, sagt sie.
Nach der Scheidung arm und allein
Viele der hilfesuchenden Frauen hätten das typische Familienmodell der 1950er- und 1960er-Jahre gelebt. „Und nach der Scheidung standen sie mit nichts da. Frauen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben.“
Manchmal meldeten sich auch Frauen ohne Geldsorgen, denen aber Einsamkeit zu schaffen mache. Etwa, weil der Partner verstorben ist oder die Kinder weit entfernt leben. „Die kann ich zwar nicht direkt mit dem Projekt unterstützen“, sagt die Koordinatorin achselzuckend. „Aber weil wir als SKF Teil eines Netzwerks sind, kann ich ihnen oft Tipps geben, wo sie andere Hilfe bekommen können.“
Rund ein Dutzend ehrenamtliche Helferinnen
Insgesamt 13 Ehrenamtliche gehören zu dem Team, das Angelika Hirschmann für das Helferinnen-Team des Projekts gefunden hat. In der Mehrzahl Rentnerinnen, manche studieren noch. Und einige hatten sich vorher als Betroffene an den SKF gewandt und wollen nun selber helfen. Das sei manchmal eine wertvolle Unterstützung. „Sie kennen die Situation gut und wissen, wie es ist, wenig Geld zu haben.“
Die Projektkoordinatorin setzt alle Frauen möglichst passgenau ein. Also zum Beispiel die pensionierte Verwaltungsbeamtin als Beraterin für eine Frau, die Wohngeld beantragen muss. Oder jemanden aus dem gleichen Stadtteil für einen Spaziergang durch den Park.
Viele vermissen es, in der Natur zu sein
In der Natur zu sein, das vermissten viele von Armut betroffene Frauen. Angelika Hirschmann weiß das aus vielen Gesprächen. „Weil ihre winzigen Wohnungen oft keinen Balkon oder Garten haben.“ Frauen, denen das Projekt dank eines glücklichen Zufalls helfen konnte.
„Eine unserer Ehrenamtlichen hat dem Projekt eine Parzelle in einer Kleingarten-Anlage zur Verfügung gestellt“, freut sich Angelika Hirschmann. „Und daraus ist – auch dank Spenden – in den vergangenen drei Jahren eine grüne Oase entstanden.“
Projekt mit eigenem Kleingarten
Hochbeete und Neuanpflanzungen hätten den Frauen geholfen, zu Selbstversorgerinnen zu werden, sagt die Projektkoordinatorin. Für Blumen oder für Lebensmittel, die ihnen sonst zu teuer wären, zum Beispiel Erdbeeren in Bio-Qualität.
Darüber hinaus sei die Kleingarten-Parzelle mittlerweile zu einem Treffpunkt und Rückzugsort geworden, freut sich Angelika Hirschmann. „Wo sich Frauen, wenn sie gemeinsam in der Erde wühlen, versorgen und untereinander austauschen können. Gegen Einsamkeit.“