GESELLSCHAFT

„Traditionsmisshandlung“: Mainzer Theologe kritisiert Christfluencer scharf

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Der Dogmatiker Oliver Wintzek warnt vor einer digital verbreiteten Unmündigkeit. In den sozialen Medien zählten Meinungen oft mehr als Sachkompetenz.

Von KNA

Der Mainzer Theologe Oliver Wintzek warnt vor einer zunehmenden Verschiebung der Deutungshoheit über den katholischen Glauben in sozialen Netzwerken. In einem Kommentar für katholisch.de kritisiert der Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie, dass Videos selbstberufener „Christfluencer“ mit vielen Followern im Netz viral gingen und Seriosität suggerierten.

Nach Ansicht Wintzeks ist die theologische Expertise vieler digitaler Glaubensinhalte höchst fragwürdig. Er kritisiert eine „hermeneutikfreie Bibelusurpation“ und „entkontextualisierte Traditionsmisshandlung“. Private Glaubensüberzeugungen und persönliche Meinungen würden dabei häufig an die Stelle fundierter Sachkompetenz treten. Zudem werde akademische Theologie im Namen einer unmittelbaren Jesus-Frömmigkeit oder einer pseudorechtgläubigen Haltung angegriffen.

Besonders problematisch seien kurze Beiträge auf Social-Media-Kanälen, die ohne theologisches Orientierungswissen für bare Münze gehalten werden könnten. Differenzierte Informationen hätten es gegen harte Eindeutigkeiten schwer, insbesondere in der Kürze von TikTok-Formaten. Wintzek warnt zudem, dass auch KI-generierte Auskünfte über das Katholische in eine fragwürdige Richtung gehen könnten.

Die Gefahr einer digital verbreiteten, selbst verschuldeten Unmündigkeit sei real, schreibt Wintzek. Sie könne zu bedenklichen Abhängigkeiten führen, wenn Kritikkompetenz fehle oder bewusst ausgeblendet werde.

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