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In Italien sorgt ein Brandbrief des Generalpriors der Kamaldulenser für Aufsehen. Die Anfechtungen der Gegenwart machen auch vor Mönchen nicht Halt.
Mit einem Brandbrief an die Kloster-Vorsteher und Novizenmeister hat der Generalobere einer Ordensgemeinschaft in Italien für Aufsehen gesorgt. In dem Brief, über den italienische Medien zu Beginn der Fastenzeit berichten, warnt der Generalprior der Kamaldulenser und Leiter des Klosters von Camaldoli, Matteo Ferrari (51), die Mönche vor Suchtgefahren bei der Nutzung digitaler Medien.
In dem dreiseitigen Brief, den er auch auf Facebook veröffentlichte, schreibt Ferrari: „Die Nutzung des Smartphones, sozialer Medien und von Online-Filmen sowie der Gebrauch von Whatsapp ohne Regeln sind eine Herausforderung für das klösterliche und das religiöse Leben.“ Deshalb sei ein „vertieftes und mutiges Nachdenken“ darüber nötig. Dies gelte vor allem für jene, die sich auf ein Leben im Kloster vorbereiten. Wenn schon im weltlichen Kontext diese Frage diskutiert werde, müssten sich die Ordensgemeinschaften erst recht darum kümmern.
Die Gefahren beschreibt er mit den Worten: „Wenn sich die Klosterzelle in einen Ort der Zerstreuung und in einen individuellen Kinosaal verwandelt, wo bleibt dann unser geistliches Leben als Mönche?“ Es gebe, so der Generalprior weiter, die Gefahr „einer echten Sucht“, die dazu führen könne, dass ein Mönch eher Experte für Filme als ein Gottsucher wird.
Stattdessen gemeinsames Filmeschauen
Ausdrücklich warnt Ferrari in dem Schreiben vor Netflix und anderen Streaming-Plattformen sowie vor Instagram und TikTok „Sie wurden erfunden, um Abhängigkeit zu schaffen, und ich denke, sie sollten absolut vermieden werden“, so der Generalprior. Um den Kontakt mit der Filmkultur nicht zu verlieren, schlägt er stattdessen gelegentliches gemeinsames Filmeschauen im Kloster vor. Mit Nachdruck setzt sich der Generalprior dafür ein, das Thema in der Novizenausbildung offen und differenziert anzusprechen.
Die 1012 gegründete Kamaldulenser-Kongregation gehört zur Benediktinischen Konföderation. Sie verbindet Elemente des klösterlichen Gemeinschaftslebens mit dem Leben von Eremiten in Einzelzellen. Hauptsitz ist das zwischen Florenz und Rimini gelegene Kloster Camaldoli.