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Klaus Nelißen über das Christsein an den Ostertagen

Osterchristen suchen sich ihren Ort

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Künftig wird noch Christ sein, wer Ostern feiert, findet Gast-Kommentator Klaus Nelißen und ermutigt dazu, sich mitunter auch jenseits der Heimatgemeinde einen Ort zu suchen, wo die Feiern besonders intensiv zu erleben sind.

Wenn Sie das hier lesen, bin ich noch im Süden. Nach zwei Jahren Ostern im Corona-Modus, endlich wieder: Auferstehung feiern auf der Insel Reichenau. Mit Pater Stephan, der einst vom Kloster Gerleve auszog, um das monastische Leben wiederzubeleben an diesem wunderbaren Ort im Bodensee, und mit den fröhlichen wie frommen Insulanern. Siebzehnmal habe ich hier schon Ostern gefeiert. Und das hat viele Gründe: Da sind die „Düsteren Metten“ der Karwoche mit den Klageliedern des Propheten Jeremia, früh morgens, kniend auf dem harten Stein des Oratoriums.

Da ist die Nacht des Wachens an Gründonnerstag mit der Inseljugend und die gesungene Passion an Karfreitag. Wenn dann in der Osternacht der zaghafte Schein der Osterkerze die romanische Münsterkirche erleuchtet, das „Gloria“ und kurz darauf das „Halleluja“ herausbricht – dann ist Ostern.

Christsein über Ostern erarbeitet

Der Autor
Klaus Nelißen ist stellvertretender Rundfunkbeauftragter der NRW-Bistümer beim WDR. Darüber hinaus wirkte der Pastoralreferent des Bistums Münster und ausgebildete Journalist bis Frühjahr 2019 für die katholischen ARD-Beauftragten bei „funk“, dem Online-Medienangebot für Jugendliche und junge Erwachsene.

Ich brauche das, denn ich zähle mich eher zu den „Osterchristen“. Weihnachten ist natürlich wichtig, aber ist mir längst nicht so lieb. Mein Christsein, das habe ich mir über Ostern erarbeitet. In meiner Familie spielte Ostern keine große Rolle. Die Ferien waren wichtiger. Erst durch die „Kar- und Ostertage der Jugend“ in Kempen habe ich die Tage und die Liturgie von Gründonnerstag über Karfreitag zur Osternacht kennen und lieben gelernt.

Dieses Triduum ist für mich das „Geheimnis des christlichen Glaubens“. Ans Licht kommen hier die Abgründe ebenso wie die Sternstunden der Menschheit. Und alles kumuliert in diesem einen Wort: Halleluja – Lobet Gott! Wer es in seinem Leben und in seinem Glauben hinbekommt, das österliche Halleluja durch die großen Krisen unverbrüchlich zu singen, der oder die ist gut gerüstet für das Christentum der Zukunft.

„Ostergemeinden“ finden sich zusammen

Ich bin mir sicher: Die Christen der Zukunft wird man daran erkennen, wie sie Ostern feiern. Und dazu gehört auch, einen Ort zu haben, an dem das Feiern klappt, wo Ritus und Atmosphäre, Predigt und Gesang stimmen. Und das muss aus unterschiedlichen Gründen nicht die Heimatgemeinde sein. Es gibt so viele Orte, an denen sich Jahr für Jahr kleine „Ostergemeinden“ zusammenfinden: bei den Klöstern und geistlichen Gemeinschaften, oder in besonderen Angeboten, wie sie im Bistumsgebiet zum Beispiel stattfinden in Münster, Bocholt, Gemen, Kirchhellen und auf der Insel Wangerooge (Kirche-und-Leben.de berichtete 2021 davon).

Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, sich für das Osterfest 2023 einmal umzuschauen und sich gegenseitig von den guten Orten zu erzählen, an denen Ostern stimmig gefeiert wird. Denn ein Jahr ohne Ostern – das ist mir gerade in der Corona-Krise klar geworden – das ist zwar denkbar, aber für mich nicht erstrebenswert.

In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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