TAGE DER FRAGEN (4)

Ostern – Was kommt nach dem Tod? Kommt da was?

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Leben, Sterben und Tod: Darüber spricht man nicht gern. Wohl, weil es um die wichtigsten Fragen geht. Wie die Heilige Woche sich ihnen stellt.

Ostern ist keine klare Sache. Obwohl es um den Höhepunkt unseres Glaubens geht, ist Ostern bezeichnenderweise das Fest der Gerüchte und des Zweifels. Der Grund ist ein leeres Grab. Das Gerücht: Irgendwer hat den toten Jesus geraubt. Und dann die vielen Geschichten von Zweifel und Unglaube: Maria von Magdala verwechselt Jesus mit dem Gärtner. Die Jünger halten es für Geschwätz, als die Frauen von Auferstehung reden. Petrus versteht nichts, als er im Grab die zusammengelegten Leinenbinden sieht. Thomas will nicht glauben, bevor er gesehen und berührt hat. Und die Emmaus-Jünger erkennen den Auferstandenen nicht einmal, als der sie ja wohl längere Zeit auf ihrem Weg begleitet.

Dahinter drängeln damals wie heute die Grundfragen des Lebens: Was kommt nach dem Tod? Kommt was nach dem Tod? Wie muss ich mir Auferstehung vorstellen?

Auffällig verhaltener Ton

Die Antworten auf diese Fragen sind trotz aller feierlichen Halleluja-Rufe so griffig nicht. Wenn man genau hinschaut, dann sind die Ostererzählungen wie die Liturgie auffällig verhalten, beginnt die Auferstehungsfeier in der Dunkelheit wie in der Grabeshöhle, bleiben zumindest die uralten gregorianischen Gesänge merkwürdig unspektakulär – als ahnten sie, an ein tiefes Geheimnis zu rühren.

Die biblischen Texte erzählen gleichwohl ganz offenbar von Erfahrungen: Der tot war, lebt. Merkwürdig und bezeichnend zugleich: Nirgendwo ist von einem großen Osterjubelfest in Jerusalem die Rede, und sei es hinter verschlossenen Türen. Nur von stiller Freude, tiefem Berührtsein, brennenden Herzen. Und sofort wieder von Schranken und Entziehen: Keiner soll davon erzählen. Der zweifelnde Thomas muss auf einmal gar nicht mehr die Wunde berühren. Und der Fremde in Emmaus ist auf einmal nicht mehr zu sehen.

Die Fragen nach dem Leben, dem vor dem Tod und dem danach (wer weiß, womöglich auch vor der Geburt) – sie rühren an nicht weniger als den Kern jedes Lebens und allen Lebens. Dort – und wohl weniger im Strahlen vermeintlich sicherer Begreifbarkeit – lassen sich auch ihre Antworten von dem finden, der sie aufrichtig sucht.

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