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Martin Zümbült resümiert diese Tage in einem Gast-Kommentar

„OutInChurch“ und Missbrauch - eine bewegende Woche für Katholiken

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Erst kam die große Outing-Kampagne „OutInChurch“ heraus, dann gab der Münchner Kardinal Reinhard Marx ein Statement zum Missbrauchsgutachten ab. Diese beiden Themenkomplexe sind klar voneinander zu unterscheiden. Dennoch findet Martin Zumbült eine ungeheure Gemeinsamkeit in seinem Gast-Kommentar.

Diese Woche ist für Katholikinnen und Katholiken keine leichte gewesen. Erst kommt das Münchener Gutachten heraus, der „Blick in den Abgrund“, die „Bilanz des Schreckens“, dem folgt ein salami-taktisches Entschuldigungs-Schmierentheater samt rührender bis peinlicher Inschutznahme-Automatismen aus Rom. Und dann kommt am Montag die Initiative „OutInChurch“ an die Öffentlichkeit mit einer bewegenden Reportage in der ARD mit dem Titel „Wie Gott uns schuf“, in der sich 125 mutige Menschen seelisch blank gemacht haben und ebenfalls einen Einblick in die tiefsten Abgründe der Kirche, ihr Arbeitsrecht und dessen Anwendung gewährt haben.

Wem das nicht ans Herz gegangen ist, der hat keins! Es gab daraufhin tatsächlich Kommentatoren in den sozialen Netzwerken, die sich nicht entblödet haben, beides in einen Topf zu werfen, für die Pädophilie und Homo-, Trans- und Intersexualität noch immer dasselbe ist.

Recht auf sexuelle Selbstbestimmung

Der Autor
Martin Zumbült hat Theologie, Jura und Kirchenrecht studiert und ist seit 2013 Diözesanrichter am Bischöflichen Offizialat Münster sowie Ehebandverteidiger am Bischöflichen Offizialat Aachen. Zuvor war er sieben Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kanonisches Recht der Universität Münster.

Und da ist mir die Frage gekommen, ob diese Themenkomplexe nicht doch irgendwie vor allem im kirchlichen Kontext zusammenhängen. Und das tun sie in der Tat. Für beide Themen gilt: Die Kirche kann mit dem Recht auf sexuelle Selbstbestimmung nichts anfangen. Sie kennt diesen Begriff nicht einmal!

In dem einen Feld werden systemisch begünstigt die Rechte der Wehr- und Schutzlosen verletzt, ihre Seelen gemordet und fürs Leben gezeichnet. Ihnen wird das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung gewaltsam genommen. Und das wird dann allenfalls als „Zölibatsbruch“ geahndet. Auf dem anderen Feld wird erwachsenen Menschen verboten, ihre Partnerschaft zu leben und ihre Liebe offen zu zeigen. Es wird ihnen unter Vorhalt eines „Naturrechts“ verboten, zu sein, wer sie sind. Ein Naturrecht übrigens, das Papst Benedikt XVI. den Abgeordneten des Deutschen Bundestages bei seiner Ansprache 2011 zur Befolgung ins Stammbuch geschrieben hatte. Dieses Naturrecht verbietet ebenfalls das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung.

Austritt als die Lösung?

Sind das jetzt nicht Fragen, die allein die entsprechenden Minderheiten betrifft? Nein! Denn auch heterosexuell empfindende Menschen sind davon genau so betroffen: Sie dürfen nur in der Ehe, nur empfängnisoffen Geschlechtsverkehr haben. Bei allem anderen wird ihnen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung abgesprochen. Manche Moralapostel tun noch immer so, als wäre Sexualmoral der Kern der christlichen Botschaft. Und genau das wird er auch dann, wenn Menschen sich das nicht mehr bieten lassen und der Kirche den Rücken kehren.

Diese Kirche erscheint als die, die andere einfach nicht in Frieden selbstbestimmt leben lassen kann. „Dann werd‘ doch evangelisch!“, hört man, „Dann tritt doch aus!“ – „Nein“, möchte ich zurückrufen, „werdet ihr doch wieder katholisch! Euch überlasse ich die Deutungshoheit über meinen Glauben nicht!“ Denn „katholisch“ heißt „allumfassend“, man könnte heute auch sagen: divers, bunt und vielfältig.

Die Positionen der Gast-Kommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von „Kirche-und-Leben.de“ wider.

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