Reaktion auf Vorschlag von Minister de Maizière

Overbeck: Debatte zur Leitkultur „ohne Stammtischparolen“

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat die von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) angestoßene Debatte zur deutschen Leitkultur grundsätzlich begrüßt. Doch dürfe die Diskussion nicht auf „Stammtischniveau“ und nicht nur im Vorfeld von Wahlen geführt werden, sagte er am Dienstag auf Anfrage.

„Wir müssen in unserem Land die Frage besprechen, was wirklich zu unserer Identität gehört. Da ist es wichtig, dass auch die Politik dazu Stellung bezieht“, sagte Overbeck, der auch Sozialbischof der Deutschen Bischofskonferenz ist. Mit Schlagworten wie „Wir sind nicht Burka“ habe er Probleme, weil sie „nicht der Differenziertheit der Bedeutung der Religion für Menschen“ gerecht würden. „Was uns keinesfalls hilft, sind irgendwelche Parolen vom Stammtisch.“

„Nicht auf der Ebene von Schlagworten diskutieren“

Als „Mann der Kirche“ sei ihm sehr daran gelegen, für Frieden unter den Religionen zu sorgen. Dazu zähle auch, „die teils religiös bestimmten Kleidungsvorschriften für Musliminnen so wertzuschätzen, dass daraus kein Kampffeld wird“, sagte der Bischof.

Zwar habe er aufgrund seiner Auffassung der Menschenwürde der Frau zu solchen Vorschriften ein „kritisch-distanziertes Verhältnis“, führte Overbeck aus. „Trotzdem gehört das auf einer anderen Ebene als auf einer solch schlagwortartigen diskutiert.“

„Problematischer Zeitpunkt“

Die Veröffentlichung des Zehn-Punkte-Katalogs durch den Minister beweise Mut, so der Bischof. Zugleich fügte er hinzu: „Das ist ein Thema, das nicht nur in den Wahlkampf gehört.“ Die „Problematik der jetzigen Veröffentlichung“ liege genau darin, dass sie in diesen Zeitabschnitt falle.

„Ich werde alles dafür tun, dass wir auf einem Niveau weiter diskutieren, das allen hilft, und nicht nur kleinen Gruppen, die vor allem von Ängsten getrieben werden, aber zu Schlussfolgerungen kommen, die ich nicht teilen kann“, unterstrich der Sozialbischof.

„Es geht nicht nur um Religion“

Es gehe nicht nur um Religion. Vielmehr seien die Deutschen auch durch ihr Verhältnis zu Recht, Solidarität, Menschenwürde und Aufgeklärtheit geprägt. „Von daher hoffe ich, dass die Diskussion auf diesem Niveau stattfindet.“

De Maizière hatte in einem Beitrag für die „Bild am Sonntag“ einen Katalog für eine deutsche Leitkultur veröffentlicht. Er beschreibt unter anderem Religion als „Kitt und nicht Keil der Gesellschaft“. Weiter heißt es, Deutschland sei eine offene Gesellschaft: „Wir zeigen unser Gesicht. Wir sind nicht Burka.“