Militärbischof über Friedensstiftung, Auslandseinsätze und Waffenhandel

Overbeck: Europa muss auf Frieden mit Nordkorea drängen

Bischof Franz-Josef Overbeck.
Wo finden Sie Frieden, Bischof Overbeck?Video: Jürgen Kappel, Martin Schmitz
Franz-Josef Overbeck.

Militärbischof Franz-Josef Overbeck aus Essen hat die Europäische Union aufgefordert, immer wieder auf Frieden zu drängen. In einem Interview mit „Kirche+Leben“ sagte Overbeck, das gelte etwa für den Frieden mit Nordkorea „damit der Wahnsinn durch Atombomben ein Ende findet“. Europa müsse bei diesem Ringen um den Frieden Länder wie Japan einbeziehen. „Denn gerade Japan hat für seine Aggressivität während des Zweiten Weltkrieges ja einen hohen Preis bezahlt“, erklärte der Bischof.

Die Beteiligten am Syrien-Krieg müssen nach Ansicht Overbecks immer wieder erinnert werden, „dass Probleme nicht durch ein so unglaubliches Morden gelöst werden“. Es sei gerade die Aufgabe als Kirche, in so einer Situation nicht nur für den Frieden zu werben, sondern auch die Wege für den Frieden zu bereiten. Angesichts von Fernsehbildern von Kämpfen in Syrien sagte Overbeck: „Ich finde keine Worte angesichts des Leids der Eltern, die neben ihren Kindern zusammenbrechen. Als glaubender Mensch sage ich trotz dieses Leids, dass die Hoffnung nie stirbt.“

„Einsätze der Bundeswehr langfristig beurteilen“

Militärbischof Franz-Josef Overbeck.
Militärbischof Franz-Josef Overbeck hält Auslandseinsätze der Bundeswehr für angemessen. | Foto: Jürgen Kappel

Angesichts der Auslandseinsätze der Bundeswehr erklärte der Militärbischof, friedenssichernde Maßnahmen hätten immer einen Sinn. Sie dürften jedoch nicht kurzfristig beurteilt werden. Gerade bei Projekten zur langfristigen Friedenssicherung müsse man sich darüber im Klaren sein, dass die Einsätze immer viel Zeit und Kraft erforderten. Gerade bei den zu früh abgebrochenen Missionen werde deutlich, dass diese Perspektive nicht bedacht oder überhört worden sei. „Man darf nicht auf halbem Weg stehen bleiben und den Einsatz abbrechen“, sagte Overbeck. „Dass solche Entscheidungen heute zu Problemen führen, war wachen Geistern schon früher klar.“

Forderungen nach einem Ende der Einsätze seien ihm zwar „durchaus sympathisch“, doch sie würden angesichts der realpolitischen Verhältnisse nicht greifen, erklärte der Bischof. Die Einsätze der Bundeswehr, die sich durch die Bündnisverpflichtungen ergäben, seien durchaus angemessen. Dabei gehe es nicht um Kriegsgewinne, sondern schlicht um Frieden für andere Menschen. „Daran haben wir unseren Teil in der Welt beizutragen“, so Overbeck.

Für Güterabwägung beim Waffenhandel

Dabei müsse man sich in Europa darüber klar werden, dass Militäreinsätze nur dann friedensstiftend seien, wenn zusätzliche Aspekte zum Tragen kämen – zum Beispiel Bildung, ein Aufbau der Infrastruktur, die Sicherung von Ressourcen wie Nahrungsmittel und Wasser. „Gerade wir in Europa müssen wissen, dass uns diese Maßnahmen im besten Sinne des Wortes viel kosten müssen, weil man sich für den Frieden alles kosten lassen muss.“

Beim Waffenhandel warb Overbeck für eine Güterabwägung. Zwar sei es umso besser, je weniger Waffen es in der Welt gebe. „Andererseits muss allen klar sein, dass zahlreiche Staaten und Unternehmen weltweit zum Teil gewissenlos und um des eigenen Gewinns willen mit Waffen handeln, wenn wir es nicht kontrolliert tun.“ Daher müsse der Maßstab für die Beurteilung das geringere Übel sein, um die zahlreichen Formen von Wirtschaftsmissbrauch klein zu halten.

Das Interview im Wortlaut lesen Sie in „Kirche+Leben“ Nr. 14 vom 8. April 2018. Sie können die Ausgabe einzeln als E-Paper oder im kostenlosen Probeabo hier bestellen.