Wunsch nach „Kernorten des Glaubens“

Overbeck fordert mehr Vielfalt der Angebote der Kirche

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck fordert mehr Vielfalt in der katholischen Kirche, um die Verbindung zu den Kirchenmitgliedern zu stärken. „Die Formen der Verbundenheit oder des Zugehörigkeitsgefühls zur Kirche sind unendlich viel pluraler geworden, als wir in der Kirchenleitung uns das je gedacht hätten. Darauf müssen wir uns einstellen“, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Overbeck nannte etwa Segnungsgottesdienste für Neugeborene, deren Eltern keine Taufe wünschten. Nur die Taufe begründe die Mitgliedschaft in der Kirche, stellte der aus dem Bistum Münster stammende Bischof klar. „Aber unser Angebot nimmt jene ernst, die unsere Nähe suchen und den Segen Gottes für ihr Kind erbitten.“

Leitungsfrage nicht „nur von den Priestern her“ beantworten

Es brauche „Kernorte des Glaubens“, eingebettet in große Territorialpfarreien. Dort werde sich dann auch die Leitungsfrage noch einmal ganz anders stellen. „Sie nur von den Priestern her zu beantworten, wird nicht möglich sein“, so Overbeck mit Blick auf den Priestermangel in der Kirche.

Der Bischof warnte vor zu engen Vorgaben, was einen „echten Christen“ ausmache. „Wir sollten mit Pflicht- und Leistungskatalogen sehr, sehr vorsichtig sein und sie schon gar nicht primär moralisch füllen.“

„Mehr Wertschätzung für nicht praktizierende Katholiken“

Overbeck forderte Wertschätzung für den übergroßen Anteil der selten oder gar nicht praktizierenden Katholiken. „Wir sollten es sehr zu schätzen wissen, dass sich mehr als 90 Prozent der Essener Katholiken zur Kirche gehörig fühlen oder sie zumindest finanziell unterstützen und fördern, obwohl sie sonntags in der Regel nicht zum Gottesdienst kommen und unsere Dienstleistungen höchstens punktuell in Anspruch nehmen.“