Vortragsreihen „Sonntagsworte“ im St.-Viktor-Dom

Overbeck in Xanten: Populisten vereinfachen Probleme

In der Reihe „Sonntagsworte“ im Xantener St.-Viktor-Dom wandte sich der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck entschieden gegen den aufkommenden Populismus in Deutschland und Europa. Sich gegen populistische Strömungen zu stemmen, sei ein Werk der Barmherzigkeit, sagte Overbeck. Barmherzigkeit setzte Gerechtigkeit voraus. Darum gehe es ihm in der Auseinandersetzung mit dem Populismus. Populisten vereinfachten die politischen und gesellschaftlichen Probleme. Das werde den anstehenden politischen Lösungen nicht gerecht.

Seit 2009 ist der aus dem Bistum Münster stammende Overbeck nicht nur Bischof des Ruhrbistums, sondern auch Militärbischof der Bundeswehr, verantwortlich für das kirchliche Hilfswerk Adveniat und Vorsitzender in der Kommission für gesellschaftlich und soziale Themen in der deutschen Bischofskonferenz. „Barmherzigkeit in der Weltkirche“, lautete deshalb das Thema seines Vortrags.

Overbeck: Bundeswehreinsätze als Werke der Barmherzigkeit

Overbeck bei Böttinger
Hetze im Netz, Gewalt unter Jugendlichen, Übergriffe Rechtsradikaler: Darüber diskutiert Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck am Donnerstag mit Nordrhein-Westfalens Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) live bei Bettina Böttinger im WDR-Fernsehen. Bei der Sendung „Schlagen, schreien, hetzen - verroht unsere Gesellschaft?“ gehe es unter anderem darum, ob einer solchen Fehlentwicklung mittels Justiz, Politik und Nächstenliebe gegengesteuert werden könne, wie das Ruhrbistum am Montag in Essen mitteilte. Overbeck, Sozialbischof der Deutschen Bischofskonferenz, hatte sich wiederholt zu dem Thema geäußert. (KNA)

„Wir müssen uns daran gewöhnen, dass wir ein Teil Europas sind“, sagte Overbeck. „Dafür müssen wir eine größere Herzenswärme entwickeln.“ Nationalstaatliche Lösungen seien angesichts der digitalen und globalen Welt nicht mehr praktikabel. Die Politiker müssten für Europa mehr Verantwortung übernehmen und die Notwendigkeit Europas überzeugender erklären, forderte der Bischof.

Auch der Einsatz der Bundeswehrsoldaten in Ländern wie Afghanistan, dem Irak, Mali oder Syrien ist für Overbeck ein Werk der Barmherzigkeit. Der Einsatz der deutschen Soldaten, der durch eine Entscheidung des Bundestages legitimiert sei, stehe im Rahmen Strategie, größere Gewalt zu verhindern. Um Menschen gegen Willkür und gewaltsames Handeln zu schützen, sei der Einsatz gegen Kräfte des IS oder die Taliban der letzte Ausweg.

Overbeck forderte auch eine größere Gerechtigkeit in der Rentendebatte. Die Menschen müssten von ihrer Arbeit gut leben und sich für ihr Alter absichern können, sagte Overbeck. Nur so könne auch Altersarmut bekämpft werden.