HEILIGES LAND

Nach Angriff: Patriarchen besuchen Christen in Gaza

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Drei Todesopfer und zehn teils schwer Verletzte. Warum die Kirchenführer in das Kriegsgebiet reisten und was Papst Leo zu Benjamin Netanjahu sagte.

Von KNA, ber

Nach dem tödlichen Granateneinschlag in die einzige katholische Kirche in Gaza sind der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, und sein griechisch-orthodoxer Amtsbruder, Patriarch Theophilos III. mit einer kirchlichen Delegation in den Gazastreifen gereist. Vor Ort wolle man einheimischen Christen treffen und sich persönlich ein Bild der humanitären und pastoralen Bedürfnisse der Gemeinde machen, heißt es in einer Mitteilung von Freitagmorgen.

Der Besuch sei Ausdruck der „gemeinsamen pastoralen Sorge der Kirchen des Heiligen Landes und ihrer Besorgnis um die Gemeinde in Gaza“. Israel habe für die Dauer des Besuchs ein Aussetzen der Militäroperationen in dem Gebiet der Pfarrei garantiert.

Hunderte Tonnen Lebensmittelhilfe

Darüber hinaus habe das Lateinische Patriarchat die Evakuierung der bei dem Angriff Verletzten sichergestellt. Sie sollen außerhalb des Gazastreifens medizinische Versorgung erhalten. Sichergestellt wurde laut Mitteilung auch eine Hilfslieferung mit hunderten Tonnen Lebensmittel, medizinischer Ausrüstung und Erste-Hilfe-Sets. Die Lieferung solle neben den Christen möglichst vielen Familien zugutekommen.

Nach Angaben des Lateinischen Patriarchats war das Pfarreigelände am Donnerstagmorgen von einer Granate der israelischen Armee getroffen worden. Dabei wurden drei Menschen getötet und zehn weitere teils schwer verletzt. In der Pfarrei leben derzeit den Angaben zufolge rund 500 Binnenflüchtlinge.

Gezielte Tötung?

Das Patriarchat sprach von einer durch nichts zu rechtfertigenden „gezielten Tötung unschuldiger Zivilisten“. Caritas Jerusalem verurteilte den Angriff als „schwere Verletzung des humanitären Völkerrechts und einen direkten Angriff auf die Menschenwürde“. Auch das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Jerusalem sprach von einer „offenkundigen Verletzung der Menschenwürde“ sowie einem „eklatanten Verstoß gegen die Unantastbarkeit des Lebens und die Heiligkeit religiöser Stätten“.

Israels Armee erklärte unterdessen am Donnerstagabend, dass eine erste Untersuchung des Vorfalls darauf hindeute, dass Fragmente einer Granate „versehentlich die Kirche getroffen haben“. Das israelische Außenministerium und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu äußerten Bedauern über die Opfer.

Der Kirchendelegation gehörten neben den beiden Patriarchaten auch der Kanzler des Lateinischen Patriarchats, der Sekretär der Apostolischen Delegation des Heiligen Stuhls in Jerusalem und der Sekretär Heilig-Land-Bischofskonferenz an.

Telefonat des Papstes mit Israels Premier

Unterdessen telefonierte Leo XIV. mit Netanjahu. Dieser habe den Papst am Freitagvormittag in dessen Residenz in Castel Gandolfo angerufen, teilte der Vatikan anschließend mit. Während des Gesprächs erneuerte Leo laut Vatikan seinen Appell für neue Impulse für einen Waffenstillstand und für Verhandlungen zur Beendigung des Krieges

Weiter drückte der Papst demnach seine große Sorge über die dramatische humanitäre Situation der Bevölkerung im Gazastreifen, deren erschütternden Preis insbesondere Kinder, alte und kranke Menschen zahlen müssten. Abschließend bekräftigte Leo XIV. die Notwendigkeit, Gotteshäuser und Gläubige sowie alle Menschen in Palästina und Israel zu schützen. Der Papst hält sich derzeit zu einem zweiwöchigen Urlaub in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo in den Albaner Bergen auf.

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