Anzeige
Der Krieg traf nun das einzige katholische Gotteshaus in Gaza. Wie die israelische Armee die Ereignisse erklärt und was Papst Leo XIV. dazu sagte.
Der Angriff auf die katholische Kirche „Heilige Familie“ im Norden des Gazastreifens hat zwei Todesopfer gefordert. Ein junger Mann und eine ältere Frau sind nach Angaben des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem von Donnerstagmittag ihren schweren Verletzungen erlegen. Die „gezielte Tötung unschuldiger Zivilisten“ sei durch nichts zu rechtfertigen.
Nach Kirchenangaben wurde das Gelände der Pfarrei am Donnerstagmorgen von einer Granate getroffen. Mindestens fünf Personen wurden schwer sowie weitere leicht verletzt. In der Pfarrei leben derzeit den Angaben zufolge rund 500 Binnenflüchtlinge.
Armee will Fall untersuchen
Die israelische Armee kündigte unterdessen eine Untersuchung an und erklärte ihr Bedauern für entstandene Schäden. Man unternehme „alle zumutbaren Anstrengungen, um Schäden an Zivilisten und zivilen Einrichtungen, einschließlich religiöser Stätten, zu vermeiden“, heißt es in einer Mitteilung von Donnerstag. Auch das israelische Außenministerium betonte in den sozialen Medien, dass Israel „niemals Kirchen oder religiöse Stätten“ angreife. Die Umstände des Vorfalls seien „noch unklar“.
Die Hilfsorganisation Caritas Jerusalem forderte unterdessen den Schutz von Gotteshäusern und humanitärer Einrichtungen. „Angriffe auf Zivilisten, die Zuflucht suchen, oder deren Gefährdung stellen eine schwere Verletzung des humanitären Völkerrechts und einen direkten Angriff auf die Menschenwürde dar.“ Auch das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Jerusalem sprach von einer „offenkundigen Verletzung der Menschenwürde“ sowie einem „eklatanten Verstoß gegen die Unantastbarkeit des Lebens und die Heiligkeit religiöser Stätten“.
Kirchenoberhaupt zeigt sich bestürzt
Papst Leo XIV. äußerte sich tief traurig über die Toten und Verletzten. In einem am Donnerstag vom Vatikan veröffentlichten Telegramm rief er zum sofortigen Waffenstillstand auf. Er hoffe auf Dialog, Versöhnung und dauerhaften Frieden für die Region, so Leo XIV.
Zugleich versicherte der Papst der Pfarrei und ihrem ebenfalls verletzten Gemeindepfarrer Gabriel Romanelli seine geistliche Nähe. Leos Vorgänger Franziskus hatte immer wieder mit der Pfarrei telefoniert. Der Papst empfehle die Seelen der Getöteten der Gnade Gottes, bete um Trost für die Trauernden und die Genesung der Verletzten, heißt es in dem von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichneten Schreiben.
Die Zahl der bestätigten christlichen Todesopfer stieg damit seit Kriegsbeginn auf 56. 34 von ihnen starben an verschiedenen Ursachen, darunter kriegsbedingte medizinische Unterversorgung. Die Gesamtzahl der Christen im Gazastreifen ist seit Oktober 2023 von 1.017 auf rund 670 gesunken.