Aus Gesundheitsgründen zum 28. Februar

Papst Benedikt XVI. kündigt Rücktritt an

Benedikt XVI. will von seinem Amt zurücktreten. Das kündigte er am Montag vor Kardinälen in Rom an. Mit Rücksicht auf sein fortgeschrittenes Alter und seine nachlassenden Kräfte wolle er zum 28. Februar 2013 auf das Amt des Bischofs von Rom und des Nachfolgers Petri verzichten, sagte er vor den zu einem Konsistorium versammelten Kardinälen.

Dem Konsistorium eröffnete der Papst seinen Entschluss als "Entscheidung von großer Wichtigkeit". Er sei zu der "Gewissheit" gelangt, "dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben".

"Kraft hat abgenommen"

Um das "Schifflein Petri" zu steuern, seien nicht nur Gebet und Leiden nötig, sondern ebenso "die Kraft des Körpers" und "die Kraft des Geistes" – eine Kraft "die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen".

Nach seinem Rücktritt am 28. Februar müsse "das Konklave zur Wahl des neuen Papstes zusammengerufen werden", der Apostolische Stuhl werde vakant. Er selbst werde "auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen", sagte Benedikt XVI. Er dankte seinen Mitbrüdern "von ganzen Herzen für alle Liebe und Arbeit, womit ihr mit mir die Last meines Amtes getragen habt, und ich bitte euch um Verzeihung für alle meine Fehler", sagte er.

Deutsche Bischöfe "zutiefst dankbar"

Für die Deutsche Bischofskonferenz bewertete der Vorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, den Schritt des Papstes als "ein leuchtendes Beispiel wirklichen Verantwortungsbewusstseins und lebendiger Liebe zur Kirche", zudem als "eine große menschliche und religöse Geste". Die deutschen Bischöfe seien "erfüllt von großem Respekt und von Bewunderung" für diese Entscheidung.

"Unvergessen", betonte Zollitsch, blieben die drei Deutschland-Besuche von Benedikt XVI.. Als "Hirte seiner Herde" sei der Papst "demütig im Auftritt, authentisch im Zeugnis und überzeugende in den Worten" gewesen. Die Kirche in Deutschland ist nach Aussage von Erzbischof Zollitsch "zutiefst dankbar für sein Wirken und sein unermüdliches Engagement".

ZdK-Präsident: "Schritt aus Liebe zur Kirche"

"Respekt und Dankbarkeit" bekundete der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, angesichts der Rücktritts-Ankündigung des Papstes. Ein Leben lang habe Joseph Ratzinger "der Botschaft Jesu Christi und der Kirche in herausragender Weise gedient". Der Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen sei "ein Schritt aus Verantwortung und aus Liebe zur Kirche".

Gauck lobt "Mut" - Merkel: "Großer religiöser Denker"

Bundespräsident Joachim Gauck hob in seiner Würdigung hervor, für einen solchen Schritt seien "großer Mut und Selbstreflexion" erforderlich. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dankte Benedikt XVI. und zollte ihm "allerhöchsten Respekt" für seine Entscheidung. Sie würdigte den Dialog des Papstes mit anderen Kirchen und Religionen, wie etwa in den Beziehungen zu Orthodoxen, Juden und Muslimen. Benedikt XVI. "ist und bleibt einer der bedeutendsten religiösen Denker unserer Zeit", sagte die Kanzlerin.

Auch sie erinnerte an die Deutschland-Besuche des Papstes. Er habe die Herzen der Gläubigen erreicht. Merkel hob die Rede bei der dritten Reise 2011 im Bundestag als "Sternstunde" hervor. Sie denke zugleich an seine "tiefe Bildung" und das "Gefühl für die großen historischen Zusammenhänge" sowie an sein lebendiges Interesse an den Fragen der europäischen Einigung. Die Worte des Papstes würden sie persönlich noch lange begleiten.

Papst sah schon früher "womöglich Pflicht zum Rücktritt"

Benedikt XVI. wird am 16. April 86 Jahre alt. Als dienstältester Kurienkardinal wurde Joseph Ratzinger am 19. April 2005 vom Konklave zum Papst und damit zum Nachfolger von Johannes Paul II. gewählt. Er war damit der erste deutsche Papst seit Hadrian VI. (1522-1523). In Deutschland löste seine Wahl seinerzeit Begeisterung aus, eine Boulevardzeitung titelte: "Wir sind Papst!"

Über Möglichkeiten eines Rücktritts hatte sich Benedikt XVI. in einer Buchveröffentlichung geäußert: "Wenn ein Papst zur klaren Erkenntnis kommt, dass er physisch, psychisch und geistig den Auftrag seines Amtes nicht mehr bewältigen kann, dann hat er ein Recht und unter Umständen auch eine Pflicht, zurückzutreten." Nachzulesen ist dies in "Licht der Welt. Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit. Ein Gespräch mit Peter Seewald", erschienen im Freiburger Verlag Herder.