Was der Caritas-Vorsitzende Egidiu Condac von dem Besuch erwartet

Papst besucht in Rumänien auch Iaşi – Kontakte nach Münster

Die Senioren sind besonders aufgeregt, sagt Egidiu Condac, Vorsitzender der Caritas im Bistum Iaşi im Nordosten Rumäniens. Neun Hauspflegedienste unterhält die Caritas dort, und ein paar Dutzend der betreuten Senioren werden dabei sein, wenn Papst Franziskus am Samstag, 1. Juni, die Kathedrale von Iaşi besucht.

Das dortige Bistum wird seit dem Ende der kommunistischen Diktatur in Rumänien 1989/90 aus dem Bistum Münster unterstützt. Caritas-Chef Pfarrer Condac zum Beispiel hat die Semesterferien 1990 im Münsterland verbracht, um in Sozialeinrichtungen Geld für sein Theologiestudium zu verdienen. Unter anderem die Caritasverbände beider Diözesen stehen heute in Kontakt; erst vor gut zwei Wochen besuchten Caritas-Mitarbeiter aus dem Bistum Münster Rumänien.

Mehrheit der Bevölkerung ist orthodox

Der Papst macht am Samstagnachmittag zwar nur kurz in Iaşi Station, dennoch sagt Condac im „Kirche+Leben“-Gespräch: „Es ist ein großes Ereignis. Natürlich für die Katholiken, aber auch für die orthodoxe Bevölkerung.“

85 Prozent der Rumänen gehören dieser Konfession an. Zwischen den einfachen Gläubigen und den Katholiken sei das Verhältnis gut, berichtet Condac. Manche orthodoxe Mönche würden sich mit der Ökumene noch schwer tun.

Egidiu Condac leitet die Caritas Iaşi in Rumänien. | Archivfoto: BernardEgidiu Condac (links, hier mit dem heutigen münsterschen Generalvikar Klaus Winterkamp) leitet die Caritas Iaşi in Rumänien. | Archivfoto: Johannes Bernard

Nach dem Papstbesuch in der Kathedrale von Iaşi ist eine „marianische Begegnung“ vor dem Kulturpalast der Stadt vorgesehen, zu der besonders Jugendliche und Familien erwartet werden. „Da es keine Eucharistiefeier ist, wird es vielleicht auch für orthodoxe Gläubige leichter, vorbeizukommen“, wünscht sich Condac. Das Motto der Papstreise sei „Lasst uns gemeinsam gehen“ – was womöglich ja auch für Konfessionen gilt.

Gespaltene Gesellschaft

„Wir hoffen, dass der Papst die Einheit in Rumänien stärkt“, sagt der Caritas-Chef. Was mit Blick auf die Minderheitenlage der Katholiken wie eine Selbstverständlichkeit wirken könnte, ist bitterer Ernst: „Die Gesellschaft ist tief gespalten, die Regierung der sozialdemokratischen PSD ist sehr umstritten“, berichtet der Priester.

PSD-Chef Liviu Dragnea, eine Art Schatten-Regierungschef, wurde am gestrigen Montag rechtskräftig zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Anstiftung zum Amtsmissbrauch verurteilt. Nach dem PSD-Wahlsieg Ende 2016 konnte er nicht Ministerpräsident werden, weil er wegen Wahlfälschung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wurde.

Problem Abwanderung

Seither liegen Dragnea und die PSD im Streit mit Staatspräsident Klaus Iohannis – vor allem, weil der sich müht, die Korruption einzudämmen. Dies und eine Justizreform verlangt auch die EU-Kommission. Jüngste Gesetzesbeschlüsse der PSD-Mehrheit zielen aber eher auf das Gegenteil ab.

Ferner hofft Caritas-Chef Condac auf ein Wort des Papstes an die jungen Menschen, in Rumänien zu bleiben und etwas aufzubauen. Der Pfarrer weiß, dass die politische Lage, die Arbeitslosigkeit und die geringen Löhne nicht gerade Anreize sind, im Land zu bleiben. Doch Rumänien leidet unter der Abwanderung von Gutqualifizierten in den Westen – auch von Pflegekräften.