Beschuldigter: Untersuchung schadet Ansehen der Kirche

Papst beurlaubt polnischen Bischof – Vorwurf Missbrauchsvertuschung

Seit einigen Wochen sorgt in Polen ein Skandal um Bischof Edward Janiak für Aufsehen. Mehrere Millionen Menschen sahen seit Mitte Mai auf der Videoplattform Youtube den Dokumentarfilm „Das Versteckspiel“. Darin wird der 67-jährige Bischof der zentralpolnischen Stadt Kalisz (Kalisch) beschuldigt, nichts gegen einen Priester unternommen zu haben, der Kinder sexuell missbraucht habe - obwohl deren Eltern Janiak 2016 darüber informiert hätten. Nun hat Papst Franziskus den Bischof beurlaubt und einen Interimsleiter für das Bistum eingesetzt, wie die Botschaft des Vatikan in Warschau am Donnerstag mitteilte.

Der Erzbischof von Lodz, Grzegorz Rys (56), erhielt als Apostolischer Administrator „sede plena“ sämtliche Vollmachten zur Leitung des Bistums Kalisz. Janiak wurde angewiesen, sich während der Untersuchung möglicher Versäumnisse außerhalb des Bistums aufzuhalten, so die Nuntiatur. Das bedeute, dass er „in keiner Weise in die Verwaltung der Diözese Kalisz eingreifen kann“. Die vatikanische Bischofskongregation hatte Ende Mai den Posener Erzbischof Stanislaw Gadecki als zuständigen Metropoliten beauftragt, die Vorwürfe gegen Janiak zu prüfen. Die Untersuchung läuft weiter.

Beschuldigter soll Vatikan Missbrauchsverdacht verschwiegen haben

Der Bischof wird unter anderem beschuldigt, den Vatikan nicht über den Missbrauchsverdacht gegen den Priester unterrichtet zu haben. Janiak weist die Anschuldigungen zurück. Das schrieb er Mitte Juni auch vielen Bischofskollegen. Der Brief wurde der Zeitung „Gazeta Wyborcza“ zugespielt und von ihr veröffentlicht. Der Bischof beschwert sich darin bitter über Polens Primas Erzbischof Wojciech Polak, der sofort nach der Veröffentlichung des Films eine Untersuchung durch den Vatikan veranlasst hatte. Polak ist auch Kinderschutzbeauftragter der Polnischen Bischofskonferenz.

Polak habe dem Ansehen der Kirche geschadet, große Verwirrung gestiftet und ihn vorverurteilt, protestiert Janiak in seinem Schreiben. Doch damit nicht genug: Janiak behauptete auch, der Primas sei nicht ordnungsgemäß zum Kinderschutzbeauftragten gewählt worden. Seine Ernennung sei stattdessen erzwungen worden. Zudem habe es Manipulationen bei der Gründung der „Sankt-Josef-Stiftung“ der Bischofskonferenz für Opfer von sexuellem Missbrauch gegeben. Die Mehrheit der Bischöfe hätte gegen die Stiftungsgründung gestimmt, aber das Ergebnis sei in ein positives Votum geändert worden.

Beschuldigter Bischof Janiak mit 3,44 Promille im Krankenhaus

Der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Weihbischof Artur Mizinski, dementierte das ebenso wie Polak. Nach dem Dokumentarfilm habe er „nicht schweigen oder untätig bleiben“ können, verwies der Primas auf die Vorschriften des Vatikan. Janiak habe in dem Verfahren, „eine echte Chance, seine Argumente zu seiner Verteidigung vorzubringen“. Die Beurteilung des Falls liege ausschließlich in der Zuständigkeit des Heiligen Stuhls. Polak betonte, er sorge sich um das Wohl der Geschädigten und das wahre Wohl der Kirche. Zuletzt hatte die „Gazeta Wyborcza“ berichtet, Janiak sei Anfang Juni mit Verdacht auf einen Schlaganfall in die Klinik von Kalisz gekommen. Dort habe man aber nur festgestellt, dass er stark betrunken sei: 3,44 Promille ergab demnach die Messung.

Wie lange Gadecki für die Voruntersuchung braucht, ist offen. „Bis zum Ende des Verfahrens werde ich mich nicht zu der Sache äußern“, teilte der Erzbischof und Vorsitzende der Bischofskonferenz am Donnerstagabend mit. Er allein sei für die Prüfung der Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen Geistliche des Bistums Kalisz zuständig. Das gelte für bereits laufende als auch für neue Fälle, fügte er hinzu.