Welttag der Migranten und Flüchtlinge

Papst: Einsatz gegen Ungerechtigkeit ist Pflicht

Zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge hat Papst Franziskus zum Engagement für Benachteiligte aufgerufen. Es gehe nicht nur um Migranten, betonte der Papst am Sonntag mit Verweis auf das gleichlautende Motto des Aktionstages. Aufmerksamkeit bräuchten alle Menschen, „die zusammen mit den Migranten und Flüchtlingen Opfer der Wegwerfkultur sind“.

In den biblischen Texten werde die Sorge um die Benachteiligten als Wesenszug Gottes dargestellt, so Franziskus weiter. Deswegen sei der Einsatz gegen Ungerechtigkeit eine „moralische Pflicht“ aller Christen. Niemand dürfe sich davon ausnehmen, betonte der Papst unter Anspielung auf eine Passage aus dem Buch Amos des Alten Testaments: „Wehe den Sorglosen und den Schlemmern“, die sich um den Niedergang des Volkes nicht sorgten, „obwohl er allen vor Augen steht“.

„Tatsachen schmerzen“

Die moderne Welt verschließe sich immer mehr den Belangen von armen und hilfsbedürftigen Menschen, so Franziskus. Diese Tatsache schmerze. „Wir können nicht umhin zu weinen. Wir können nicht umhin zu reagieren“, mahnte er angesichts fortgesetzter Ausbeutung von Entwicklungsländern sowie Kriegen und Konflikten in der Welt.

Lesungen und Fürbitten wurden in verschiedenen Sprachen vorgetragen. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von einem Chor mit Sängern aus neun Nationen, von den Philippinen über Rumänien und Italien bis Peru. Der im Gottesdienst verwendete Weihrauch stammte aus einem Flüchtlingslager in Südäthiopien. Dort hätten Flüchtlinge zusammen mit Einheimischen die 600 Jahre alte Tradition der Weihrauchernte wiederbelebt, teilte der Vatikan mit.

Skulptur als Zeichen der Gastfreundschaft

Am Ende des Gottesdienstes enthüllte der Papst eine Plastik aus Bronze und Ton des kanadischen Künstlers Timothy Schmalz. Das Kunstwerk mit dem Titel „Angels unaware“ („Ungeahnte Engel“) zeigt ein Schiff, an dessen Bord 140 Migranten verschiedener Herkunftsländer und Zeiten zu sehen sind. Er habe dieses Kunstwerk für den Petersplatz ausgesucht, damit es „stets an die Herausforderungen der Gastfreundschaft aus dem Evangelium erinnert“, so Franziskus.

Der „Welttag des Migranten und Flüchtlings“ wurde 1914 von Papst Benedikt XV. (1914-1922) eingeführt. 2019 findet er laut Vatikanangaben zum 105. Mal statt. Das Motto des diesjährigen Welttags lautet: „Es geht nicht nur um Migranten“. Damit will die katholische Kirche einerseits auf die größeren Ursachen für Flucht und Migration aufmerksam machen, andererseits aber auch auf die Lage von Bedürftigen in westlichen Gesellschaften.