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Zur Situation im Erzbistum Köln erklärt Heiliger Stuhl: "Auch große Fehler gemacht"

Papst-Entscheidung im Fall Woelki - die Vatikan-Begründung im Wortlaut

  • Die mit Spannung erwartete Entscheidung des Papstes im Fall Woelki liegt nun vor.
  • Kardinal Rainer Maria Woelki habe "auch große Fehler gemacht", die wesentlich zu einer Vertrauenskrise beigetragen hätten.
  • Dokumentation: Die Entscheidung des Heiligen Stuhls im Wortlaut.
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Die mit Spannung erwartete Entscheidung des Papstes im Fall Woelki liegt nun vor. Am Freitagmittag veröffentlichte der Vatikan eine Mitteilung, die über seine Botschaft in Bonn verbreitet wurde. Darin heißt es, es habe sich kein Hinweis ergeben, dass der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki im Umgang mit Missbrauchsfällen rechtswidrig gehandelt habe. Er habe jedoch "auch große Fehler gemacht", die wesentlich zu einer Vertrauenskrise beigetragen hätten. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) veröffentlicht die Mitteilung des Heiligen Stuhls ungekürzt im Wortlaut:

"Vom 7. bis 14. Juni 2021 haben S.Em. Anders Kardinal Arborelius, Bischof von Stockholm, und S.E. Mons. Johannes van den Hende, Bischof von Rotterdam, im Auftrag des Heiligen Stuhls eine Apostolische Visitation des Erzbistums Köln durchgeführt, um sich ein umfassendes Bild von der komplexen pastoralen Situation im Erzbistum zu verschaffen und gleichzeitig auch eventuelle Fehler des Erzbischofs, S.Em. Rainer Maria Kardinal Woelkis, als auch der Weihbischöfe S.E. Mons. Dominikus Schwaderlapps und S.E. Mons. Ansgar Puffs im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs zu untersuchen. Letztere hatten dem Heiligen Vater, im Zusammenhang der Veröffentlichung der bekannten Studie über den Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln, Ihren Verzicht auf das Amt des Weihbischofs angeboten.

Papst Franziskus nimmt Ergebnisse der Visitation zur Kenntnis

Papst Franziskus hat die Ergebnisse der Apostolischen Visitation aufmerksam zur Kenntnis genommen. Auf Grundlage der von den Visitatoren erhobenen Informationen und der anschließenden Bewertung der Ergebnisse durch die Behörden der Römischen Kurie sind in ihm die folgenden Entschlüsse gereift:

Was die genannten Weihbischöfe betrifft, hat der Heilige Vater entschieden, ihren Amtsverzicht nicht anzunehmen. Bei beiden Bischöfen sind in Ihren früheren Verantwortlichkeiten vereinzelt Mängel in der Behandlung von Verfahren festzustellen, nicht aber die Intention, Missbrauch zu vertuschen oder Betroffene zu ignorieren. S.E. Mons. Ansgar Puff wird seinen regulären Dienst unmittelbar wiederaufnehmen. S.E. Mons. Dominikus Schwaderlapp hat darum gebeten, vor seiner Rückkehr in den Dienst als Weihbischof im Erzbistum Köln, für ein Jahr als Seelsorger in der Erzdiözese Mombasa, in Kenia, arbeiten zu dürfen. Der Heilige Vater hat dieser Bitte entsprochen.

Kardinal Woelki habe nicht rechtswidrig gehandelt

Im Hinblick auf den Erzbischof von Köln, S.Em. Rainer Maria Kardinal Woelki, hat sich kein Hinweis darauf ergeben, dass er im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs rechtswidrig gehandelt hat. Die Behauptungen, der Kardinal habe, insbesondere durch das anfängliche Zurückhalten einer ersten Studie, vertuschen wollen, wird durch die inzwischen publizierten Fakten und die durch den Heiligen Stuhl geprüften Dokumente widerlegt. Die Entschlossenheit des Erzbischofs, die Verbrechen des Missbrauchs in der Kirche aufzuarbeiten, sich den Betroffenen zuzuwenden und Prävention zu fördern, zeigt sich nicht zuletzt in der Umsetzung der Empfehlungen der zweiten Studie, mit der er bereits begonnen hat.

Dennoch hat Kardinal Woelki in der Herangehensweise an die Frage der Aufarbeitung insgesamt, vor allem auf der Ebene der Kommunikation, auch große Fehler gemacht. Das hat wesentlich dazu beigetragen, dass es im Erzbistum zu einer Vertrauenskrise gekommen ist, die viele Gläubige verstört.

Langes Gespräch zwischen Papst und Kardinal Woelki

In der vergangenen Woche hat Papst Franzikus den Erzbischof von Köln zu einem langen Gespräch empfangen. Der Heilige Vater zählt auf Kardinal Woelki, er anerkennt seine Treue zum Heiligen Stuhl und seine Sorge um die Einheit der Kirche. Gleichzeitig ist offenkundig, dass Erzbischof und Erzbistum einer Zeit des Innehaltens, der Erneuerung und Versöhnung bedürfen. Das hat Papst Franziskus dazu veranlasst, Kardinal Rainer Maria Woelki, auf dessen eigenen Wunsch, eine geistliche Auszeit zu gewähren, beginnend Mitte Oktober bis zum Beginn der Österlichen Bußzeit des kommenden Jahres. Bis zu seiner Rückkehr wird S.E. Mons. Rolf Steinhäuser als Apostolischer Administrator sede plena die ordnungsgemäße Verwaltung sicherstellen und vor allem Sorge dafür tragen, dass das Erzbistum seinerseits in einen geistlichen Prozess der Versöhnung und Erneuerung findet.

Indem sich der Heilige Vater in diesem Anliegen betend mit Erzbischof Kardinal Woelki und mit dem Erzbistum Köln verbindet, spendet er von Herzen den Apostolischen Segen."

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