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Nach seiner Darm-OP im Sommer wirkt der Papst kämpferischer als zuvor

Papst Franziskus wird 85: Amtsmüde geht anders

  • Am 17. Dezember wird Papst Franziskus 85 Jahre alt.
  • Amtsmüde wirkt er nicht; nach einer Darm-OP im Sommer hat er eher das Tempo angezogen.
  • Wo die großen Projekte des Pontifikats stehen - eine Zwischenbilanz.
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Es war bei der bei Reisen von Franziskus üblichen Plauderrunde des Papstes mit Mitgliedern des Jesuitenordens Mitte September in Bratislava. Einer fragte: "Wie geht es Ihnen?". Darauf Franziskus: "Ich lebe noch, auch wenn einige Leute wollten, dass ich sterbe." Mit Bezug auf seine Darm-OP im Juli fuhr er fort: "Es gab sogar Treffen zwischen Prälaten, die glaubten, der Zustand des Papstes sei ernster als die offizielle Version. Sie haben sich auf das Konklave vorbereitet."

Seit er den keineswegs harmlosen Eingriff Anfang Juli überstanden hat, drückt Franziskus auf die Tube. Zwei längere Interviews mit einem spanischen Radiosender und einer argentinischen Agentur nutzte Franziskus für die Botschaft: Mit 85 Jahren ist noch lange nicht Schluss - am morgigen Freitag erreicht er diesen "halbrunden" Geburtstag. Zudem erwähnte der Papst Reisepläne: Noch einmal Ungarn, den Kongo, Osttimor, Papua-Neuguinea und Ozeanien.

Deutlich gegen Kritiker, entschieden gegen Konzils-Gegner

Auch gibt sich Franziskus kämpferischer. Vor den Jesuiten in Bratislava teilte er gegen "einen großen katholischen Fernsehsender" aus, "der nicht zögert, ständig schlecht über den Papst zu sprechen". Die von Vertretern des Senders gegen ihn gerittenen Angriffe seien ein "Werk des Teufels". Den Namen nannte er nicht; aber es war klar: Gemeint sind EWTN und einige Vertreter des privaten Mediennetzwerks.

Sein innerkirchlich lange teils angefeindetes Schreiben "Amoris laetitia" von 2015 zu Ehe und Familie ließ er fünf Jahre später mit einem Aktionsjahr aufleben, um dessen Anliegen in Erinnerung zu rufen; ebenso seine Umwelt-Enzyklika "Laudato si". Von Ungeduld zeugt der Erlass "Traditonis custodis": Die sogenannte Alte Messe schränkt Franziskus ein, weil sich rund um die von Benedikt XVI. geförderte außerordentliche Form des Römischen Ritus zu viel Opposition gegen das Zweite Vatikanische Konzil gebildet habe.

Wie weit die Kurienreform gediehen ist

Die seit Beginn der Amtszeit erwartete Kurienreform des Argentiniers gestaltet sich schleppender als erhofft. Seit Jahren wird die Veröffentlichung des begleitenden Papstschreibens erwartet. Mancher spöttelt schon, das Dokument erscheine gar nicht mehr.

Man möge von der Konstitution keine Neuigkeiten erwarten, dämpfte der Papst selbst. Ein Großteil der Reformen sei bereits erfolgt: Kurienbehörden wurden zusammengelegt, das Justiz- und Finanzsystem neu aufgestellt, die Betreuung der Nuntiaturen intensiviert. Franziskus will im Gehen reformieren, nicht am Schreibtisch: Hier ein Erlass, dort eine Verfügung - und dann sehen, wie es funktioniert. Das schließt Fehlschüsse und Nachbesserungen nicht aus.

Warum dem Papst verwaltungstechnische Mängel unterlaufen

Im September 2017 etwa stärkte Franziskus die Bischofskonferenzen bei der Übersetzung liturgischer Texte und lieferte so ein Stück Dezentralisierung. Später musste ein Dekret folgen, das die Anwendung des Erlasses präzisierte.

Ein Grund für juristisch-verwaltungstechnische Mängel im Pontifikat ist einmal Jorge Mario Bergoglios stark pastorales Denken; gegen reine Strukturreformen hat er eine Aversion. Zum anderen steht er nach wie vor mit nur einem Bein im Vatikan, mit dem anderen außerhalb. Unter teilweiser Umgehung der Kurie lässt er sich von Vertrauten im Jesuitenorden, in Argentinien oder andernorts zuarbeiten. Was der Kohärenz mancher Erlasse nicht immer zuträglich ist.

Franziskus fremdelt mit dem Vatikan - immer noch

Sein größtes Reformprojekt ist die Weltsynode. Ob es Franziskus gelingt, der katholischen Kirche von Zentrum bis Peripherie einen synodaleren Umgangsstil beizubringen, steht dahin. Zu idealistisch die Ziele, zu ungenau die Vorgaben, zu viel Unruhe - meinen viele. Eine gewaltige Entscheidung, deren Folgen niemand vorhersagen könne, räumte unlängst auch Synodensekretär Kardinal Mario Grech ein.

Mit dem System Vatikan fremdelt Franziskus nach wie vor; viele lässt er das spüren und zeigt es. Während der Pandemie-Lockdowns holte er ein altes, schlichtes Holz-Kruzifix aus einer römischen Innenstadtkirche in den Petersdom. Über Monate, wenn der Papst am Kathedra-Altar Messe feierte, hing der lebensgroße Gekreuzigte klein und zerbrechlich zwischen Bronzefiguren und Marmorstatuen früherer Päpste, die sich selbst überlebensgroße Denkmäler gesetzt hatten.

Auf dem Stuhl Petri Pfarrer geblieben

Manche Kurienangehörige wie auch einfache Katholiken trauern dem alten Glanz der katholischen Weltzentrale hinterher. Insbesondere italienische Beobachter mit Gespür für Zeremonien, Gesten und Symbole sind mitunter enttäuscht vom Pfarrer auf dem Stuhl Petri - und manchmal gleichzeitig angetan von seiner Herzlichkeit.

Eine andere offene Flanke ist das vatikanische Justizsystem. Der als "Mammutprozess im Finanzskandal des Staatssekretariats" rund um eine Luxusimmobilie in London gestartete Tiger könnte als Bettvorleger landen. Die vatikanische Strafverfolgung hat sich bislang weitgehend blamiert. Es zeigt sich Stück um Stück: Trotz aller Reformen wird der Vatikan kein mit modernen europäischen Rechtssystemen kompatibles Staatswesen.

Wie effektiv die mit mehr Autorität versehenen Finanzinstitutionen wie Wirtschaftssekretariat und Vermögensverwaltung arbeiten, muss sich zeigen. Kein leichtes Unterfangen auf den finanziellen Durststrecken in der Pandemie.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gratuliert Papst Franziskus zum 85. Geburtstag. "Ihr unermüdliches Eintreten für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung gibt vielen Menschen in Deutschland und auf der Welt Hoffnung", heißt es in einem Schreiben.

Franziskus ermutige Menschen zu eigenem Engagement - "sei es im Kampf gegen die Pandemie, gegen Armut und Ausgrenzung oder bei der Bekämpfung der Auswirkungen des Klimawandels".

Steinmeier dankt dem Papst zudem für den "warmherzigen Empfang" im Oktober im Vatikan. Beide hätten ein "offenes und vertrauensvolles Gespräch" geführt, so der Bundespräsident. "Unser intensiver Austausch steht symbolisch für die lebendigen und engen Beziehungen, die den Heiligen Stuhl und Deutschland verbinden." Abschließend wünscht der Bundespräsident dem Jubilar "weiterhin Gesundheit, Kraft und Gottes Segen". | KNA

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