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Seit 1979 steht der Präsident an der Spitze des Landes. Leo XIV. kritisiert mangelnde Fortschritte - und zitiert dabei gleich zwei seiner Vorgänger.
Eine riesige Kuppel, viele runde Säulen und überall goldfarbene Verzierungen - einige architektonische Elemente dürften Papst Leo XIV. bei seinem Besuch im Präsidentenpalast von Äquatorialguinea an den Vatikan erinnern. Am Dienstag erreichte der Papst mit Malabo die letzte Etappe seiner elftägigen Afrikareise.
Der Inselort wurde Anfang des Jahres als Hauptstadt von Ciudad de la Paz, Stadt des Friedens, auf dem Festland abgelöst. Empfangen wurde der Papst von dem Mann, der weltweit der am längsten amtierende nicht-monarchische Staatschef ist: Seit 1979 regiert Teodoro Obiang Nguema Mbasogo (83) sein kleines, für afrikanische Verhältnisse recht wohlhabendes Land.
Leo XIV.: "Dramatische Kluft" im Land
Um ihn schart sich eine kleine Gruppe, die vom Ölreichtum des Landes profitiert. Die Hälfte der rund 1,9 Millionen Einwohner lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze, weitere 15 Prozent der Äquatorialguineer könnten in naher Zukunft in Armut abrutschen. "Die Kluft zwischen einer kleinen Minderheit - ein Prozent der Bevölkerung - und der überwältigenden Mehrheit hat sich dramatisch vergrößert", kritisierte Leo XIV. in seiner Rede vor Politikern des Landes.
Dass sich die Situation in den letzten Jahrzehnten nicht fundamental verändert hat, machte Leo XIV. gleich zu Beginn seiner Ansprache deutlich, als er an den Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1982 erinnerte. Derselbe Präsident regierte das Land damals schon.
Papst kritisierte schon vor 44 Jahren
Der Papst habe seinerzeit den Präsidenten bezeichnet als "das symbolische Zentrum, in dem die lebendigen Bestrebungen eines Volkes zusammenlaufen, um ein soziales Klima echter Freiheit, Gerechtigkeit, Achtung und Förderung der Rechte jedes Einzelnen und jeder Gruppe sowie bessere Lebensbedingungen zu schaffen, die es jedem ermöglichen, sich als Mensch und als Kind Gottes zu verwirklichen".
Leo XIV. nannte die Worte Johannes Pauls II. auch nach mehr als 40 Jahren aktuell. Zudem bezeichnete er es als paradox, wenn es auf der einen Seite einen Mangel an Land, Nahrung, Wohnraum und würdiger Arbeit gebe und andererseits Millionen von Menschen Zugang zu neuen Technologien hätten.
"Eine solche Wirtschaft tötet"
Aufgrund der rasanten technologischen Entwicklung habe sich auch die Spekulation mit Rohstoffen beschleunigt. "Diese Entwicklung scheint grundlegende Gebote wie den Schutz der Schöpfung, die Rechte lokaler Gemeinschaften, die Würde der Arbeit und den Schutz der öffentlichen Gesundheit in den Hintergrund zu drängen", kritisierte Leo.
Er fuhr fort mit einem der härtesten Sätze aus dem Pontifikat seines Vorgängers Franziskus: "Heute müssen wir auch 'Du sollst nicht' sagen zu einer Wirtschaft der Ausgrenzung und Ungleichheit. Eine solche Wirtschaft tötet."
Erinnerung an Papst Franziskus
Leo XIV. erwähnte seinen Vorgänger nicht nur in Malabo, sondern nutzte auch sein Pressestatement auf dem Flug von Angola nach Äquatorialguinea, um Franziskus zu würdigen. "Danken wir Gott für das große Geschenk, das er der Kirche und der Welt durch Franziskus' Leben gemacht hat", sagte Leo XIV. Der vor einem Jahr gestorbene Pontifex habe die Nähe zu den Ärmsten, den Geringsten, Kranken, Kindern wie Älteren wirklich vorgelebt.
Diesem Vorbild will auch Leo XIV. in Äquatorialguinea folgen: In Malabo besucht er die Patienten eines psychiatrischen Krankenhauses. In Mongomo ein Ausbildungszentrum, in Bata Gefängnisinsassen und danach Betroffene einer schweren Explosionsserie. Insgesamt dreimal wird er am Mittwoch für dieses Programm in ein Flugzeug steigen. Wenn er am Donnerstagabend wieder in Rom landet, wird Leo XIV. über 16.000 Flugkilometer zurückgelegt haben.