WELTKIRCHE

Was von Papst Leos Afrika-Reise bleibt

Anzeige

Bei seiner Reise durch Afrika sorgte Papst Leo XIV. auch politisch für Aufsehen. Das ist auch richtig so, sagt Ursula Nothelle-Wildfeuer.

„Die Welt wird von einer Handvoll Tyrannen zerstört und von Myriaden solidarischer Brüder und Schwestern aufrechterhalten.“ Mit diesen Worten hat Papst Leo auf seiner Afrika-Reise vergangene Woche für Aufsehen gesorgt – und für hitzige Debatten, die weit über die katholische Kirche hinausreichten.

Die Reaktionen fielen vorhersehbar aus: Darf er das? Mischt sich der Papst in Politik ein, die ihn als religiöses Oberhaupt nichts angeht? In den USA wurde sofort spekuliert, ob die Worte auf Präsident Donald Trump gemünzt seien. Leo stellte später klar, dass seine Reden bereits vor dem Iran-Krieg geschrieben worden waren und nicht auf eine bestimmte Person abzielten. Doch die eigentlich interessante Frage liegt tiefer.

Es geht um Menschlichkeit

Die Autorin
Ursula Nothelle-Wildfeuer, Professorin für Christliche Gesellschaftslehre an der Universität Freiburg, beschäftigt sich mit vielfältigen Fragen nach Gerechtigkeit in der Gesellschaft sowie nach der Präsenz und Glaubwürdigkeit der Kirche in der Gesellschaft.

Die Botschaft des Evangeliums war nie eine Botschaft der politischen Neutralität – sie ist eine Botschaft des Lebens. Sie zielt auf die unantastbare Würde jedes Menschen, auf Freiheit, auf Gerechtigkeit und Solidarität. Wer das Evangelium ernst nimmt, kann nicht schweigen, wenn diese Grundwerte bedroht sind.

Der Papst positioniert sich nicht hinter einer Partei, aber er erhebt dort seine Stimme, wo es um das Wesentliche geht: um Menschlichkeit. Und die Botschaft Jesu Christi lässt sich nicht als fromme Begründung für einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg missbrauchen.

Das Evangelium als prophetische Stimme

Christliche Sozialethik sieht sich immer dann herausgefordert, wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen. Dort, wo Krieg und Frieden verhandelt werden, wo über Leben und Tod entschieden wird, hat das Evangelium etwas zu sagen. Nicht als parteipolitische Stellungnahme, sondern als prophetische Stimme, die an das erinnert, was leicht vergessen wird: dass hinter jeder Statistik Menschen stehen, dass jedes Opfer einen Namen hat, dass Macht kein Selbstzweck sein darf.

Papst Leo reiht sich damit in eine lange Tradition ein. Von den Sozialenzykliken Leos XIII. bis zu Franziskus' leidenschaftlichem Eintreten für die Marginalisierten – die Kirche hat immer dann Position bezogen, wenn die Würde des Menschen auf dem Spiel stand.

Was bleibt von den Worten aus Afrika? Vielleicht dies: Die Welt braucht die „Myriaden solidarischer Brüder und Schwestern“, von denen Leo sprach. Sie sind das Gegengewicht zu den Kräften der Zerstörung. Und die Kirche tut gut daran, sie zu ermutigen – nicht trotz, sondern gerade wegen ihres Auftrags.

In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

Anzeige

Komplet - der Abend-Newsletter von Kirche+Leben

JETZT KOSTENLOS ANMELDEN



Mit Ihrer Anmeldung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.