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Europas Kirchen verlieren Mitglieder und Einfluss. Warum Leo die Gesellschaft dennoch einlädt, sich mit ihren christlichen Wurzeln zu befassen.
Leo XIV. hat eine unvoreingenommene Wertschätzung für das christliche Erbe Europas gefordert. In Madrid fragte er am Sonntagabend bei einem Treffen mit Menschen aus Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Sport: "Kann man wirklich glauben, dass das Europa, das wir so sehr lieben, ohne die Spuren des Glaubens dasselbe wäre?"
Vom Glauben bewegte Männer und Frauen hätten Krankenhäuser und Schulen errichtet, solidarische Initiativen ins Leben gerufen und eine Sprache benutzt, die die Würde des Menschen achtet, sagte der Papst. Das zeige auch ein objektiver Blick.
Papst will Religion und Alltag versöhnen
Deshalb könne man sich fragen, ob Europa seine Identität ohne diesen prägenden Einfluss hätte entwickeln können: "Das ist keine Provokation, sondern eine Einladung, darüber nachzudenken, ob die Ewigkeit, die durch die Menschwerdung Jesu Christi in Raum und Zeit eingedrungen ist, wieder mit dem Alltäglichen versöhnt werden kann."
Weiter sagte Leo XIV.: "Wir sollten uns fragen, was wir heute säen, was in unserer Gesellschaft blüht und was still und leise verwelkt; welche Werte wir bewahren und welche wir sterben lassen. Das sind tiefgreifende, notwendige Fragen, die nicht ignoriert werden können." Nötig sei ein respektvoller gesellschaftlicher Dialog darüber.
"Behutsamer Diskurs"
Ein solcher Diskurs müsse behutsam sein: "Jeder Ausdruck sagt und vermittelt etwas; er kann verletzen oder heilen, Erwartungen zerstören oder Horizonte eröffnen, Spaltung säen oder Hoffnung wecken auf die Möglichkeit, gemeinsam etwas wahrhaft Menschliches aufzubauen." An der Begegnung mit etwa 15.000 Teilnehmenden wirkten unter anderen der Schauspieler und Regisseur Antonio Banderas, die Flamenco-Künstlerin Sara Baras, die Sportlerinnen Carolina Marín e Teresa Perales, Gewerkschaftsführer und Vertreter von Unternehmerverbänden mit.