WELTRPOLITIK

Papst Leos XIV. Friedensruf und Trumps dünne Haut

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Ein Papst verurteilt Krieg und mahnt zum Frieden – und die US-Regierung ist empört. Was Leo XIV. damit gelungen ist.

Da ist Papst Leo XIV. ein richtiger Coup gelungen. Und das in mancherlei Hinsicht. Er tat in aller Deutlichkeit, was ein Papst angesichts der weltpolitischen Lage tun kann, indem er ohne Ansehen der Person zum Frieden mahnt und Kriegstreiberei verurteilt. Das war, wie wir nun von ihm selbst wissen, nicht als persönliche Botschaft an Donald Trump gemeint. Und es war auch nicht so formuliert. Doch die ersten, die sich diesen Schuh angezogen haben, waren Trump und seine Paladine.

Das haben viele Medien aufgegriffen und davon berichtet. Nun seien es nach JD Vance die bösen Medien gewesen, die dies verzerrt dargestellt hätten und zuerst auf die US-Regierung bezogen hätten. Nein, das hat diese Regierung schon selbst getan, indem sie derart heftig und unangemessen auf diese Äußerungen reagiert hat, bis hin zu der absurden Äußerung von JD Vance, dass der Papst vorsichtig sein solle, wenn er über theologische Dinge spreche.

Friedensbotschaft universell

Der Autor
Martin Zumbült, Theologe, Jurist und Kirchenrechtler, ist Diözesanrichter am Bischöflichen Offizialat in Münster sowie Ehebandverteidiger am Bischöflichen Offizialat in Aachen.

Doch Papst Leo macht einmal mehr deutlich, dass die Botschaft vom Frieden universell ist. Sie gilt für Afrika und die vielfachen militärischen, teils religiös motivierten Konflikte und Kriege dort, wie auch für die USA und deren Iran-Krieg, Russland und den Ukraine-Krieg oder Israel und den Libanon-Krieg. Daher kann die Botschaft Leos auch als Kritik an Trump und seinen Aggressionen gedeutet werden. Wie sehr sich die US-Administration selbst geschadet und nachhaltig beschädigt hat, weil sie nun auch den Rückhalt aus konservativ-katholischen Kreisen verliert, wird immer deutlicher.

Und das ist der zweite Teil von Leos Coup: Auch sehr konservative Katholiken und Würdenträger, denen man bis vor Kurzem noch große Nähe zur Trump-Regierung nachgesagt hat, gehen auf Distanz zu ihm. Sei es, weil sie nun fürchten müssen, dass Leo auch ihnen die Leviten lesen wird, oder sei es, weil sie tatsächlich einsichtig sind, dass die christliche Botschaft vom Frieden keine Nationalitäten kennt.

Damit gelingt Papst Leo etwas, was in dieser Form lange nicht so deutlich geschehen ist: Er versammelt die konservativen und liberalen Flügel der Kirche hinter sich und macht damit spürbar, dass die zentralen Botschaften des Christentums kein „links“ und „rechts“ kennen und dass die Kernbotschaft das Evangelium für alle Christen der Maßstab ist. So geht Evangelisierung. Den Schuh ziehe ich mir gerne an. 

In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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