GOTTESDIENST

Papst Leo lehnt KI-Predigten ab – ihm selbst aber soll die Technik helfen

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Leo XIV. warnt davor, Predigten durch KI erstellen zu lassen – und begründet das. Seine eigene Osterpredigt könnte gleichwohl von KI profitieren.

Von KNA, jjo

Nachdrücklich spricht Papst Leo XIV. sich dagegen aus, Predigten von Anwendungen Künstlicher Intelligenz (KI) schreiben zu lassen. Bei einem Treffen mit mehreren hundert Priestern seines Bistums Rom sagte er, KI sei nicht in der Lage, den Glauben weiterzugeben - genau das aber sei die Aufgabe einer Predigt.

Leo äußerte sich am Donnerstag hinter verschlossenen Türen. Italienische Medien, die danach mit Teilnehmern sprachen, berichteten anschließend davon.

Über eigene Intelligenz und den eigenen Glauben

Den Berichten zufolge verglich Leo XIV. die Folgen des KI-Gebrauchs mit einer Erkenntnis aus dem Sport: "Alle Muskeln sterben ab, wenn wir sie nicht mehr nutzen. Deshalb muss auch das Gehirn benutzt werden, damit wir unsere Intelligenz nicht verlieren."

Weiter sagte er den Berichten zufolge: “Eine echte Predigt schreiben bedeutet, den Glauben mit anderen zu teilen. Das ist der wichtigste Teil. Die Leute wollen deinen Glauben wahrnehmen, deine Erfahrung, Christus und seine Botschaft erlebt und geliebt zu haben. Das ist etwas, was wir jeden Tag pflegen müssen.”

Bei dem Treffen warnte der Papst zudem vor Folgen eines exzessiven Online-Konsums mit Suchtpotenzial bei Jugendlichen. Unter anderem sprach er von "Orientierungslosigkeit" und "Symptomen einer besorgniserregenden Aggressivität, die nicht selten in Gewalt mündet".

KI soll päpstliche Osterpredigt übersetzen

Derweil erprobt der Vatikan eine neue Technik zur Simultanübersetzung im Petersdom. Falls der Test Erfolg habe, können Gläubige aus aller Welt bereits in der Osternacht die Predigt des Papstes über ihr Smartphone in 60 verschiedenen Sprachen mitverfolgen, teilt das Kommunikations-Dikasterium der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit.

Die Technik beruht laut Vatikan auf der KI-Anwendung "Lara", die federführend vom Deutschen Alexander Waibel in Karlsruhe entwickelt wurde. Es handelt sich demnach um den weltweit ersten Einsatz dieser Technologie in einem so großen Maßstab und in einem Gotteshaus. Der Petersdom hat mehr als 10.000 Sitzplätze.

Petersdom-Kardinal begrüßt Entwicklung

Der Hausherr der weltgrößten Basilika, Kurienkardinal Mauro Gambetti, begrüßt die Innovation: "Wir sind zuversichtlich, dass der menschliche Erfindergeist, wenn er vom Glauben geleitet wird, zu einem Werkzeug der Gemeinschaft werden kann."

Um die Anwendung nutzen zu können, müssen die Gottesdienstbesucher am Eingang des Petersdoms einen QR-Code scannen und ihre Sprache wählen. Sie können dann der Liturgie im Text oder per Audio folgen. Das Herunterladen einer App ist nicht erforderlich.

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