KIRCHE IN DEUTSCHLAND

Speyer: Papst Leo XIV. nimmt Rücktrittsgesuch von Karl-Heinz Wiesemann an

Anzeige

Wiesemann war seit fast 20 Jahren Bischof von Speyer. Über die Gründe seines jetzigen Rücktritts spricht der 66-Jährige ganz offen.

Papst Leo XIV. hat das überraschende Rücktrittsgesuch des Speyerer Bischofs Karl-Heinz Wiesemann (66) zum 19. August angenommen. Das teilten der Vatikan, das Bistum Speyer und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) mit. 

Anlass für diesen Schritt Wiesemanns sind offenbar gesundheitliche Gründe. Die „Last der umfänglichen Verantwortung“ habe bei ihm „körperlich wie vor allem seelisch schwerwiegende Spuren hinterlassen“, schreibt Wiesemann in einem Brief an die Gläubigen seines Bistums. Ihm sei bewusst geworden, dass er nicht mehr die Kraft habe, „die ganze Wegstrecke bis zur vollständigen Umsetzung der anstehenden Strukturreformen zu gehen“. Es gehöre zu seiner Verantwortung, „das auf Zeit verliehene Amt für einen anderen nun besser Geeigneten freizugeben“.

Wiesemann spricht von psychischer Erkrankung

In dem Brief spricht Wiesemann auch über seine psychische Erkrankung. Vor fünf Jahren habe er sich wegen einer „rezidivierenden depressiven Störung“ in eine psychosomatische Klinik begeben. Unmittelbarer Auslöser sei damals die konkrete Situation bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in seiner Diözese gewesen, schreibt er. 

Wiesemann war stets offen mit seiner Erkrankung umgegangen. Zuletzt sprach er darüber beim Würzburger Katholikentag mit dem Entertainer Harald Schmidt.

Wilmer: „Großer Verlust“

Der DBK-Vorsitzende und Münsteraner Bischof Heiner Wilmer bezeichnete Wiesemanns Rücktritt in einer Pressemitteilung als „großen Verlust“. Zugleich äußerte er „Hochachtung vor deiner Entscheidung, die du lange im Herzen erwogen hast und die dir nicht leichtgefallen ist“. Dem Speyerer Bischof sei es zuallererst um die Menschen gegangen: „Das Thema des sexuellen Missbrauchs hat Dich tief erschüttert – mit Blick auf die Bundesebene, aber auch in Deinem Bistum.“ Wiesemann habe sich dabei für eine „transparente und schonungslose Aufarbeitung“ eingesetzt, so der DBK-Vorsitzende. 

Wilmer würdigte insbesondere dessen Arbeit als Vorsitzender der Jugendkommission (2011 bis 2016) und der Glaubenskommission (2016 bis 2021). Von 2013 bis 2019 stand Wiesemann zudem an der Spitze der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland.

Karl-Heinz Wiesemann stammt aus dem ostwestfälischen Herford. 1985 wurde er in Rom zum Priester für das Erzbistum Paderborn geweiht. Ab 2002 war er dort als Weihbischof tätig. Papst Benedikt XVI. ernannte ihn 2007 zum Bischof von Speyer. Wegen seiner Erkrankung hatte Wiesemann 2021 eine längere Auszeit genommen.

Anzeige

Komplet - der Abend-Newsletter von Kirche+Leben

JETZT KOSTENLOS ANMELDEN



Mit Ihrer Anmeldung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.