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Papst Leos Äußerungen zur Segnung homosexueller Paare schlugen hohe Wellen. Echt übertrieben, sagt Journalist Philipp Gessler.
Ach, diese schrecklichen Flugzeuge! Nein, Korrektur, denn das wäre ungerecht gegenüber diesen wunderbaren technischen Meisterwerken der Menschheit. Es muss heißen: Ach, diese schrecklichen Pressekonferenzen im Flugzeug! Päpste neigen seit Jahrzehnten dazu, auf Auslandsreisen mitfliegenden Medienleuten auf etwa 30.000 Fuß Reiseflughöhe aus dem Stegreif mehr oder weniger intelligente Antworten auf mehr oder weniger intelligente Fragen zu geben.
Und was dabei rauskommt, erregt dann manche Kirchenredakteure auf Erden – oder sogar die großen Medien der Welt ein paar Tage. Das war jüngst bei Papst Leos Aussagen zu Präsident Donald Trump zu beobachten, als der Pontifex maximus im Flieger, den Engeln im Himmel so nahe, sagte, er habe keine Angst vor der US-Regierung. Was sind das für Zeiten, in denen eine solche Binse weltweit als „Breaking News“ durchgeht?
Papst Leo XIV. und der Segen
Der Autor
Philipp Gessler ist Journalist, Sachbuchautor und Redakteur des evangelischen Monatsmagazins „zeitzeichen“. Unter anderem beobachtet er die Ökumene und die Entwicklung der katholischen Kirche, in Deutschland etwa beim Synodalen Weg, und berichtet darüber.
Nun hat sich der fliegende Papst Leo XIV., natürlich wieder in der dünnen Luft zwischen Tropo- und Stratosphäre, auf eine Journalistenfrage hin zu einer „Handreichung“ geäußert, die Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, in seinem Bistum veröffentlicht hat.
Ein solches Papierchen wäre in weniger aufgeregten Zeiten wohl kaum zu einer kirchenpolitischen „News“ geronnen, aber seitdem der Wahnsinn in der Hauptstadt der freien Welt regiert und sich das Social-Media-Karussell auch in der katholischen Blase immer schneller dreht, ist kein Entrinnen mehr: Man muss sich damit beschäftigen. Dabei ist die Sache denkbar banal: Es geht darum, ob die Priester der Marx’schen Erzdiözese geplant schnell vorbeihuschenden homosexuellen Menschen in einer Kirche einen Segen für ihre Partnerschaft geben dürfen.
Die Weltkirche hat Wichtigeres zu sagen
Puh! Man könnte sagen, in der Muttersprache unseres immer noch recht neuen Papstes: „Who gives a shit?!“ Stürzen die Säulen der 2.000 Jahre alten römischen Weltkirche mit ihren rund 1,4 Milliarden Gläubigen zusammen, wenn in Allershausen oder Sielstetten (beides Orte im Erzbistum München und Freising) ein frommes homosexuelles Paar im Gotteshaus unterm Zwiebeltürmchen von einem so gnädigen wie toleranten Pfarrer einen Segen für die gemeinsamen Jahre erhält, so Gott will und sie (so lange zusammen) leben? Nein!
Und das ist das, was Papst Leo, recht verstanden, in Reiseflughöhe durch die Blumen seiner Kirche und vielleicht auch den unbemerkt vorbeifliegenden Engeln klar machen wollte: Die katholische Weltkirche wird an dieser Frage nicht zerbrechen – und darf es auch nicht. Sie hat Wichtigeres zu sagen, ihren Gläubigen und der ganzen unerlösten Welt.
In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.