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Leo XIV. ist selten laut und dennoch ein Mann der klaren Worte. Sein Auftreten passt in diese Zeit voller Krisen, sagt Andreas R. Batlogg SJ.
Die rote Mozetta, die Prachtstola, der Sensus für liturgische Ästhetik, der Privatsekretär und der Präfekt des Päpstlichen Hauses, das Appartement im Apostolischen Palast, die wiederaktivierte päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo: An solchen Äußerlichkeiten bleiben viele hängen, wenn die Rede auf Papst Leo XIV. kommt. Natürlich werden damit auch Zeichen gesetzt – aber auch überbewertet. Robert Francis Prevost ist nicht Jorge Mario Bergoglio, so wie Papst Franziskus auch nicht seinen Vorgänger Benedikt XVI. und dieser nicht Johannes Paul II. kopiert hat.
So undenkbar die Wahl eines Jesuiten zum Bischof von Rom war und dann doch passierte am 13. März 2013, so undenkbar schien, dass jemals ein Amerikaner Papst werden könnte – was die Wahl vom 8. Mai 2025 widerlegte. Peru, wohin Leo XIV. im November reisen wird, war dem Missionar und gelernten Kirchenrechtler zur zweiten Heimat geworden. Beide Welten kennt er von innen, den Norden wie den Süden: geboren und aufgewachsen in den USA, als Generalprior des Augustinerordens von 2001 bis 2012 auf allen fünf Kontinenten unterwegs, acht Jahre lang Bischof von Chiclayo, bevor er nach Rom an die Kurie geholt wurde, setzt Leo, der als sehr guter Zuhörer und als Teamplayer gilt, seine eigenen Akzente.
Papst reist nach Lampedusa
Der Autor:
Andreas R. Batlogg SJ, seit 1985 Jesuit, 2000–2017 Mitglied der Redaktion „Stimmen der Zeit“, von 2009 bis 2017 deren Chefredakteur, seit 2019 in der Citypastoral an der Jesuitenkirche St. Michael (München) tätig, seit Mai 2025 an der Jesuitenkirche in Wien, Buchautor, Publizist.
Die Einladung, am 4. Juli 2026 das 250-Jahr-Jubiläum in den USA mitzufeiern, schlug er aus. Stattdessen reiste der neue Papst nach Lampedusa, jener Mittelmeerinsel, die näher am afrikanischen Kontinent liegt als am europäischen Festland.
Franziskus hatte dorthin im Juli 2013 seine erste Reise außerhalb des Vatikans unternommen und dabei angesichts des Flüchtlingselends und der Tausenden auf dem Mittelmeer umgekommenen Migranten das Wort von der „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ geprägt. Papst Franziskus hat viel angestoßen und auf den Weg gebracht, aber selten verstetigt und kirchenrechtlich abgesichert.
Synodalität und Künstliche Intelligenz
Beim Jahrhundertthema Synodalität – Leo folgt hier den Spuren seines Vorgängers und geht den Weg der Verlängerung bis 2028 weiter – ist das entscheidend. Mit seiner ersten Enzyklika „Magnifica Humanitas“ über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter Künstlicher Intelligenz vom Mai 2026 ist ihm ein großer Wurf gelungen. Wenige Wochen später bewahrheiteten sich bereits Befürchtungen, dass sich KI verselbständigen kann. In der Sozialenzyklika werden ein Ethikkodex und eine Regulierung gefordert.
Leo XIV.: ein Mann der leisen Töne, der sich aber nicht einschüchtern lässt und die martialische Kriegsrhetorik von Donald Trump und dessen selbstherrliches, das Völkerrecht und internationale Organisationen geringschätzendes Gebaren offen kritisiert.
In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.