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Auf „Wolke 7“ schwebten viele nach der Wahl von Leo XIV. Nach 100 Tagen sind die „Flitterwochen“ fast vorbei. Sein Kurs ist noch nicht absehbar.
Es ist ruhig geworden um den Vatikan. Nach anfänglicher Euphorie um den ersten US-amerikanischen Papst gibt es nun deutlich weniger Berichte über Leo XIV. in der internationalen Presse. Der gebürtige Chicagoer liefert für das eher kirchenferne Publikum schlicht keine Schlagzeilen. Bedacht liest er seine vorbereiteten Ansprachen ab, die seltenen Abweichungen sind nicht erwähnenswert.
Er geht freundlich auf Menschen zu, seine Nahbarkeit wirkt authentisch, doch zugleich immer ein wenig distanziert. Ganz sicher angekommen scheint Leo nach 100 Tagen noch nicht in seinem Amt als Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken. Mitunter etwas erstaunt betrachtet er die Menschenmengen, die seinetwegen aus aller Welt nach Rom anreisen.
Leos Vorgänger sorgte für einige Erschütterungen
Sein Vorgänger Franziskus hätte für jeden Nachfolger große Fußstapfen hinterlassen. Der Argentinier war das, was man außerhalb der katholischen Kirche wohl als „Rampensau“ bezeichnen würde. Die Nähe zu Menschen war sein Lebenselixier, ohne Berührungsängste ging er auf jeden und jede zu und begeisterte damit auch Nicht-Gläubige. Er verabscheute päpstliche Statussymbole und vermied weder Konflikte noch Fettnäpfchen, die immer wieder zu diplomatischen Erschütterungen führten.
Seine Sprache war direkt, die Inhalte meist spontan und mitunter zweideutig. Die vom Staatssekretariat sorgfältig vorbereiteten Ansprachen dienten Franziskus höchstens als Vorschlag, von dem er ein ums andere Mal abwich – oder am liebsten gleich den Journalisten seine Meinung ins Mikrofon sagte. Oft sorgte er damit für Schlagzeilen und eine erhebliche Reichweite in den Medien.