Marx: Kein „Weiter so!“ in Sachen Umwelt

Papst mahnt zu ökologischem Kurswechsel

Papst Franziskus verlangt einen ökologischen Kurswechsel. Wirtschaft und Politik dürften im Umgang mit der Umwelt nicht von kurzfristigem Streben nach Gewinn und Wahlerfolgen bestimmt sein, schrieb er in einer Botschaft zum „Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung“ am Donnerstag (01.09.2016).

Die Folgen der Erderwärmung macht er unter anderem für die weltweiten Migrationsbewegungen verantwortlich. Für die armen Länder der Südhalbkugel verlangte er mehr Geld und technische Unterstützung zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels. Jeden einzelnen rief er zu einer Verhaltensänderung im Alltag auf, etwa durch Mülltrennung oder Carsharing.

Eine „unverantwortliche Ausbeutung der Erde“ und Schädigung der Schöpfung nannte Franziskus eine „Sünde“. Umweltzerstörung stellte er in Zusammenhang mit der weltweiten Armut. „Gott hat uns einen blühenden Garten geschenkt, wir aber sind dabei, ihn in eine von Schutt, Wüsten und Schmutz verseuchte Ebene zu verwandeln“, schrieb er. Als Ursachen nannte er individuelles Fehlverhalten im Rahmen einer „falsch verstandenen Wohlstandskultur“, aber auch ein „System, das die Logik des Gewinns um jeden Preis durchgesetzt hat“.

Papst Franziskus.
Papst Franziskus. | Foto: Michael Bönte

Komplette Abkehr von fossilen Brennstoffen

Franziskus rief zu Verhaltensänderungen im Alltag auf. Dazu gehöre etwa das Einsparen von Plastik und Papier, bewusstere Verwendung von Wasser, Lebensmitteln und Strom, Mülltrennung, sorgsamer Umgang mit anderen Lebewesen oder die Bevorzugung öffentlicher Verkehrsmittel. „Wir dürfen nicht meinen, diese Anstrengungen seien zu gering, um die Welt zu verbessern“, so der Papst.

Der für entwicklungspolitische Fragen zuständige Kurienkardinal Peter Turkson sagte, die in Paris vereinbarte Obergrenze von 2 Grad für die Klimaerwärmung verlange eine „komplette Abkehr von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien bis etwa 2070“. Was die Erreichung dieses Ziels verlange, habe die Gesellschaft noch nicht begriffen. Nichtsdestoweniger sei es „die Verantwortung von uns allen“.

Im Einklang mit der Natur

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, würdigte die Botschaft des Papstes als wichtiges Signal: „Die Botschaft von Papst Franziskus ist ein Appell an unsere Demut.“ Es sei von großem Wert, dass der Papst dazu aufrufe, den eigenen Lebensstil im Einklang mit der gottgeschaffenen Natur zu gestalten. „Der Heilige Vater führt uns mit großer Direktheit vor Augen, dass ein Verharren in gewohnten Verhaltensweisen im Widerspruch zum Schöpfungswillen Gottes steht. Ein einfaches 'Weiter so!' darf für Christen nicht infrage kommen.“

Franziskus hatte vergangenes Jahr Katholiken weltweit aufgerufen, den 1. September künftig als Gebetstag zur Bewahrung der Schöpfung zu begehen. Er folgte damit einer Anregung des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. Am heutigen Donnerstag feiert Franziskus im Petersdom ein Abendgebet zur Bewahrung der Schöpfung. Dazu wird auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) erwartet.