Vorwürfe aus seiner Zeit als Bischof von Pittsburgh

Papst nimmt Rücktritt von Wuerl an – Missbrauch vertuscht?

Papst Franziskus hat den Amtsverzicht des Washingtoner Erzbischofs, Kardinal Donald Wuerl, angenommen. Das teilte der Vatikan am Freitag mit. Ein Nachfolger wurde noch nicht ernannt; der 77-Jährige wird sich als Administrator bis auf weiteres selbst vertreten.

In einem Brief, den die Erzdiözese auf ihrer Website veröffentlichte, bittet Franziskus den Kardinal, bis zur Berufung eines Nachfolgers weiter zu amtieren. Wuerl war im Zusammenhang mit dem jüngsten Bericht über Missbrauchsfälle im US-Bundesstaat Pennsylvania in die Kritik geraten.

Papst Franziskus dankt Wuerl

Wuerl werden Vertuschungen in seiner Zeit als Bischof von Pittsburgh (1988-2006) vorgeworfen. Zudem soll er von den sexuellen Vergehen seines Vorgängers in Washington, Theodore McCarrick (88), gewusst haben – was Wuerl bestreitet. Wuerl war 2006 als McCarricks Nachfolger zum Erzbischof der US-Hauptstadt sowie 2010 unter Benedikt XVI. zum Kardinal ernannt worden.

Papst Franziskus dankte Wuerl in seinem Brief dafür, „Gottes Projekt vor sein persönliches Projekt gestellt“ und mit seiner Sorge der Kirche einen Dienst erwiesen zu haben. Er sei dankbar, dass der Kardinal nicht versucht habe, seine früheren Handlungen zu rechtfertigen. Es zeuge von „hoher Gesinnung“, dass Wuerl auf eine solche Verteidigung verzichte, so Franziskus.

Wuerl erleichtert über Entscheidung des Papstes

Der Kardinal selbst zeigte sich in einer Erklärung erleichtert über die Entscheidung des Papstes, seinen bereits im November 2015 zum 75. Geburtstag eingereichten Amtsverzicht nun anzunehmen. Er sei „tief berührt“ von Franziskus' „gütigen Worten des Verstehens“.

Laut US-Medienberichten war Wuerl bereits Ende August in den Vatikan gereist, um mit dem Papst über die Vertuschungsvorwürfe gegen ihn zu sprechen. Formal, wie vom Kirchenrecht vorgesehen, hatte er seinen Amtsverzicht bereits mit Erreichen der Altersgrenze im November 2015 angeboten. Bislang hatte Franziskus ihn aber noch nicht angenommen, sondern Wuerl - wie häufig bei Leitern wichtiger Diözesen - weiter im Amt belassen.

Wuerl eröffnete Synode 2012 aus Latein

Der am 12. November 1940 geborene Wuerl studierte in seiner Heimatstadt Pittsburgh und am Päpstlichen Nordamerika-Kolleg in Rom Theologie und Philosophie spricht sehr gut Latein. So eröffnete er 2012 die Bischofssynode im Vatikan mit einer lateinischen Rede.

International bekannt wurde Wuerl Ende 1985, als der Vatikan ihn zum Weihbischof in Seattle machte und ihm Aufgaben seines Erzbischofs Raymond Hunthausen übertrug. Wegen liberaler Äußerungen zu Sexualmoral und Friedenspolitik hatte Rom eine kirchliche Untersuchung gegen Hunthausen eingeleitet.