Interview mit der Zeitung „El Pais“

Papst: Offene Debatten in der Kirche statt übler Nachrede

Vor dem Hintergrund anhaltender Debatten über den Kurs der Kirche wünscht sich Papst Franziskus offene Diskussionen. Der spanischen Zeitung „El Pais“ sagte der Papst, jeder habe das Recht, nicht seiner Ansicht zu sein. Vertreter abweichender Meinungen in der Kirche hätten „ein Recht zu denken, dass der Weg gefährlich ist und zu schlechten Ergebnissen führen könnte. Aber sie sollten das im Dialog äußern und nicht Steine aus dem Hinterhalt werfen.“

Offene Debatten würden die Kirche verbessern und brüderlicher machen, so Franziskus. Notwendig sei aber eine Diskussion mit lauteren Absichten – nicht mit übler Nachrede. Der Papst äußerte sich nicht ausdrücklich zur Debatte über sein Schreiben „Amoris laetitia“. Darin geht es auch um die Bedingungen für eine Zulassung zur Kommunion von Katholiken, die in zweiter Ehe leben.

Über sein Wirken als Papst sagte Franziskus: „Ich bin kein Heiliger. Ich mache keine Revolution. Ich versuche, dafür zu sorgen, dass das Evangelium vorankommt. Aber das mache ich nicht perfekt, denn manchmal komme ich ins Schleudern.“

Papst würde gern nach China reisen
Franziskus würde gern nach China reisen. Wenn er eingeladen werde, sei er bereit, das Land zu besuchen, sagte der Papst der spanischen Zeitung „El Pais“. Die chinesische Seite wisse das. Franziskus hatte den Reisewunsch wiederholt geäußert.

Der Vatikan und China unterhalten keine vollen diplomatischen Beziehungen. Das Verhältnis ist schwierig, weil Peking dem Papst die freie Ernennung von Bischöfen verweigert und die Kirche unter strenger staatlicher Aufsicht steht. Chinas Katholiken sind gespalten in eine von der Regierung kontrollierte, vom Vatikan nicht anerkannte offizielle Kirche und eine papsttreue Untergrundkirche.