UPDATE: Gottesdienst am Mittwoch mit dem Volk der Mapuche

Papst trifft in Chile Missbrauchsopfer und mahnt die Kirche

Papst Franziskus ist in Chile mit Missbrauchsopfern zusammengetroffen. Die Begegnung fand am Dienstag Ortszeit in „strikt privater Form“ in der Nuntiatur statt, teilte Vatikansprecher Greg Burke mit. Andere Personen seien nicht zugegen gewesen, um ein ungestörtes Gespräch zu ermöglichen: „Der Papst hat sie angehört, mit ihnen gebetet und geweint.“

Das Treffen mit einer „kleinen Gruppe“ habe etwa eine halbe Stunde gedauert, sagte Burke. Die Zahl der Gesprächsteilnehmer, deren Geschlecht und die Art der Vergehen wollte er auch auf Nachfrage nicht präzisieren. Dies geschehe zum Schutz der Betroffenen. Bereits am Dienstagmorgen hatte Franziskus in einer Rede „Schmerz und Scham“ über sexuellen Missbrauch durch Priester bekannt.

„Nein zu Idealwelten“

In einer Rede vor Priestern und Ordensleuten rief der Papst die Kirche Chiles zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme auf. Angesichts von sexuellem Missbrauch, öffentlicher Kritik und großen gesellschaftlichen Veränderungen dürfe sie sich nicht einschließen oder von früheren Zeiten träumen, sagte der Papst.

Er schlage vor, „dass wir Gott um die klare Einsicht bitten, die Realität beim Namen zu nennen“, so Franziskus. „Nein zum Klerikalismus und Nein zu Idealwelten, die nur in unserem Kopf vorkommen, aber mit niemandes Welt zu tun haben.“ Ferner sagte der Papst, er wolle auch um die Kraft zur Vergebung bitten und um die Fähigkeit, auf das zu hören, was der Herr sage.

Bei einem Gottesdienst am Mittwoch im Gebiet der Mapuche rief der Papst die Völker Chiles zur Einheit auf und erteilte jeder Gewalt im Kampf um Anerkennung eine Absage. „Gewalt verwandelt die gerechteste Sache in eine Lüge“, sagte er. „Man kann nicht Anerkennung verlangen, indem man den anderen vernichtet.“ Zugleich prangerte Franziskus die „Ungerechtigkeiten der Jahrhunderte“ an, unter denen unter anderem die Mapuche gelitten hätten. In deren Sprache begrüßte der Papst die 150.000 Gläubigen zu Beginn der Predigt.

Überfülltes Frauengefängnis

Chiles Katholiken sollten ihre Wunden nicht verstecken. Denn „eine verwundete Kirche kann die Wunden der Welt von heute verstehen und sich diese zu eigen machen, sie erleiden, begleiten und zu heilen versuchen“, so Franziskus.

Zudem besuchte er am Dienstag das Frauengefängnis „San Joaquin“ in Santiago de Chile. Vor 500 Insassinnen betonte er, die Gesellschaft habe „die Pflicht, euch alle zu reintegrieren“. „San Joaquin“ ist eines der ältesten Gefängnisse in Chile. Wie viele südamerikanische Haftanstalten ist auch sie überbelegt: Obwohl das Gefängnis für 855 Insassinnen ausgelegt ist, sind dort derzeit mehr als 1.400 Frauen untergebracht.

(Aktualisiert am 17. Januar nachmittags um den Kasten zum Gottesdienst mit den Mapuche.)