Millionen Menschen von Grundversorgung abgeschnitten

Papst und Bischöfe in großer Sorge um Aleppo und Syrien

Mehr als die Hälfte der Christen hat nach Worten des katholischen Ortsbischofs seit Kriegsbeginn die syrische Stadt Aleppo verlassen. Die Menschen emigrierten, „weil sie die Unsicherheit und die Armut nicht aushalten“, sagte der chaldäisch-katholische Bischof Antoine Audo telefonisch am Mittwoch (10.08.2016) bei Radio Vatikan.

Seit Tagen seien die von Regierungstruppen gehaltenen Teile Aleppos ohne Strom und Wasser, sagte Audo. Nötig sei eine politische Lösung unter Führung der Vereinten Nationen. Diese hatten für die umkämpfte Stadt eine Feuerpause aus humanitären Gründen verlangt. In Aleppo sind zwei Millionen Menschen von der Grundversorgung abgeschnitten.

Ortsbischof: Die Welt zerstört Syrien

Schuld an der Situation gab der Bischof „Extremisten, die unglücklicherweise im Namen des Islam kämpfen und von außen unterstützt werden“. Audo appellierte energisch an die Weltgemeinschaft. Sie müsse „vor ihrem Gewissen und vor Gott“ die Frage beantworten, warum sie Syrien zerstöre.

Franziskus: Mangelnder Friedenswillen der Mächtigen

Zuvor hatten bereits Papst Franziskus und sein Botschafter in Syrien auf die katastrophale Lage in Aleppo hingewiesen. Franziskus nannte es am Sonntag (07.08.2016) „inakzeptabel, dass so viele schutzlose Menschen, auch so viele Kinder“ leiden müssten. Der Papst geißelte Gleichgültigkeit und einen „mangelnden Friedenswillen der Mächtigen“.

Nuntius: Krieg mit völkerrechtswidrigen Mitteln

Nuntius Erzbischof Mario Zenari sagte am Montag (08.08.2016) bei Radio Vatikan, der Syrien-Krieg werde auch mit völkerrechtswidrigen Mitteln geführt. In einigen Gebieten würden Hunger und Durst als Waffe eingesetzt. Mehr als fünf Millionen Syrer wohnten in Gebieten, die kriegsbedingt schwer zu erreichen seien.

Der Botschafter verwies auf mehrfache Angriffe mit Chemiewaffen in den vergangenen Jahren. Allerdings habe man für deren Einsatz „noch nicht die Schuldigen ermittelt“. Weiter gerieten „täglich“ Krankenhäuser, Schulen, Märkte, Flüchtlingslager, Kirchen und Moscheen unter Beschuss. Dabei seien die kriegführenden Parteien verpflichtet, Menschenrechte zu achten und Zivilisten zu schützen, so Zenari.

Der Nuntius beklagte vor allem die minderjährigen Opfer. Viele Kinder seien durch Granatsplitter verstümmelt. Andere seien sexueller Gewalt ausgesetzt oder würden zum Kriegsdienst gezwungen. Mehr als zwei Millionen Kinder erhielten keine Schulbildung. In manchen Gebieten unter Kontrolle der Terrormiliz „Islamischer Staat“ würden Frauen und Mädchen „wie Vieh auf dem Markt“ gehandelt.